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Eisenbart und Meisendraht ist das Literaturvermittlungsmagazin für geschundene Seelen. Jeden Monat wird ein neues Thema von unserem Schriftsteller*innenpool beackert und hernach in Radiowellen (Z) transformiert, in den Pod geschmissen und hier im Internet kybernetisch in den space gepresst.
Diese Seite ist gut, denn sie bietet eine einwandfreie Möglichkeit, in allen Beiträgen herumzustöbern, die im Rahmen von EB&MD veröffentlicht worden sind.

Aktuelle Themen

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"Mach Sahne drauf, ist lecker!" (Horst Lichter)
"Hier bin ich Mensch - hier wohne ich drinne." (Goethe)
"Wir hoffen immer, und in allen Dingen ist besser hoffen als verzweifeln." (Goethe)

Neue Textbeiträge

Beiträge

Michael Schmidt: Prof. Wüirzer und das Kochen

Aus der Chronik "Gesta Professorum Wuiser". Anatol Xerophil Wüirzer *1656 in Haderfleck, + 1723 in Canterbury, England. Frühe Beschäftigung mit den Schwarzen Kochkünsten. Lehre zum Rübenschäler und Fledermausrupfer in der Garküche des berüchtigten Topfpressers Alphonso Calceusbeckus. Anschließend unstetes Leben als Feldkoch im Gefolge von Eugen Franz Prinz von Savoyen-Carignan im Rang eines Untergulaschkanoniers. Von Wüirzers Wirken zu dieser Zeit zeugt das Volkslied "Prinz Eugen, der arme Ritter". Nach einer offenen Feldküchenschlacht mit sieben Verwundeten und fünfzehn Toten Degradierung und unehrenhafte Entlassung. 1699: Flucht nach England. Dort erwarb sich Wüirzer innerhalb kürzester Zeit den Ruf eines raffinierten Gaumenkünstlers, was ihm ein...
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Beiträge Erzählung Prosa

Theobald Fuchs: Es ist nicht immer vorteilhaft, gut zu schmecken

… es war genauso, wie ich es auf YouTube recherchiert hatte: erst nach zwei Tagen ununterbrochenen Kochens fiel das Fleisch von den Knochen. Oder besser gesagt: die Knochen ploppten aus dem Geschmorten, als wäre es ihm ein Bedürfnis, sie loszuwerden. Mir war dabei völlig klar, dass ich bei einem Hype mitmachte. Seitdem dieses Nahrungsmittel selbst von Veganern akzeptiert, ja sogar in höchsten Tönen gelobt wird, wollen es alle selbst probieren. Kaum zu glauben, aber es war seit Jahren oder Jahrzehnten unentdeckt geblieben, bis ein Isländer, glaube ich – oder doch jemand in Kanada? – darauf gekommen war, sie zu essen....
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Beiträge Erzählung Prosa

Matt S. Bakausky: Kann nicht kochen

Ich koche gerne Nudeln mit Pulver, sagte mein fünfzehnjähriges Ich. Dann kochte ich einmal Spaghetti mit Thunfisch-Tomatensoße. Und dann eine ganze Zeit lang nichts mehr. Heute grille ich höchstens oder wärme Essen auf. Nudeln mit Pulver waren gekochte Nudeln mit Bolognesepulver von Knurr. Ich weiß nicht mehr, wo ich dieses Rezept herhatte. Normalerweise würde man das Pulver mit Wasser verdünnen, aber ich streute es über die Nudeln als wäre es Parmesan. Kochen war nie so meins. Ich war höchstens eine Küchenhilfe. Karotten schneiden für den Braten, den Braten mit Gewürzen einreiben, alles nach Anleitung. Anfänger können nur nach Rezept leben,...
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Beiträge Drama

Zeha Schmidtke: 1.10. Gärtnervater

Der Gemüsehändler fegt den Boden. Die Türglocke klingelt. HändlerOh, die Türglocke. KundeGuten Tag. Folgendes: Ich will heute Abend richtig lecker kochen. Wir sind zu fünft. Da hätte ich gerne frischen Rosenkohl, möglichst kleine Köpfchen, und für die Vorspeise sechs mittelgroße Artischocken.  HändlerEs tut mir leid.  KundeKeine Artischocken?  HändlerEs tut mir leid: So ein Laden, wie Sie ihn suchen, ist das hier nicht. KundeWieso? Draußen steht doch „Gemüsehandlung“. Und ich will Gemüse. HändlerNein. Sie wollen arrogantes Modegrünzeug. Und das gibt es hier nicht. KundeDas ist ein Scherz. HändlerEin Scherz ist es, wie sich Ihre Artischocke benimmt, seitdem sie zur Arzneipflanze des...
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Beiträge Prosa

Matt S. Bakausky: Heilbringender Müll

Meine Wohnung ist voller Müll. Ein Freund ist jemand, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Müll zu verwerten. Ich sitze mit Schal um den Kopf und einer Sonnenbrille vor den Augen, auf dem Bett und jammere. Der Freund macht sich Kaffee, ich mir Tee. Er spült ab. Der Freund packt riesige Mülltüten. Er versucht mich zu motivieren, mitzumachen. Die anderen soll ich vergessen. Er fragt mich, was ich so denke und ich sage ihm, dass ich nur denke, wenn ich rede. Sonst ist mein Kopf leer. Wir bringen den Müll gemeinsam runter.Die Mantras aus dem Handy waren nervtötend und...
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Beiträge Drama Monolog

Michael Schmidt: Wuiser und Wohnen

So ein Philosoph hat mal gesagt: „Ich denke, also bin ich.“ Und das hat auch gestimmt, weil wie wir heute wissen, hat’s ihn tatsächlich gegeben, diesen Philosophen. Allerdings müsst man heut viel eher sagen: „Ich wohne, also bin ich.“ Weil ohne das Wohnen ist alles nichts. Zumindest nichts Gescheites. Und damit man heut überhaupt noch wohnen kann oder zum Wohnen kommt, gehört sich schon was dazu. Die Frau Drangsaler von drüben zum Beispiel, die hat aus ihrer Wohnung raus müssen, weil die einen Eigenbedarf gehabt haben. Der Bub von denen hat nämlich endlich sein Jura-Examen bestanden gehabt, ausgerechnet im Mietrecht,...
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Beiträge Erzählung Prosa

Philip Krömer: Erbschuld

I Erbsache Das Display zeigt die Nummer meiner Schwester, ich hebe mit Widerwillen ab. Ob ich mich um das HAUS kümmern könne. Nachdem sie doch bereits den Verkauf organisiere. Sie komme so bald nicht fort von ihrer Arbeit, die Anreise sei zu weit, schon zur Beerdigung hatte sie es nicht geschafft. Welche ebenfalls sie, aus der Ferne, in die Wege geleitet hatte. Nur beim Herablassen der beiden Särge bediente ich die Winde, warf eine Schippe Erde hinterher, für alles andere war gesorgt. Wenigstens konnte ich, als einziger der wenigen Trauergäste, ein paar Tränen weinen. Unser ELTERNHAUS. In dem wir aufgewachsen...
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Beiträge Lyrik

Lutz Senneberg: Die Orgel

Ich bin der Nebel, Du bist der Giebel, Ich Spiele am Hebel, Du liest in der Fibel. Ich zupf an der LeierDu drehst an der Orgel, Machst Suppe aus Eier, Ich dünste nen Geier. Du machst täglich Sport, Ich bewege mich kaum, wechselst ständig den Ort, ich bleibe im Raum. Auf Orgel gibt es keinen Reim, Das les ich jetzt als Zeichen:Denn unsere Liebe soll nicht sein, Muss deiner Orgel weichen.
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Beiträge Lyrik

Hanne Mausfeld: mit weitblick

wegbeamen unnötigin wärme lüfteln undin wilden wolkenweltenvoller kumulus wann immer wellen schlagenliebend auf schaumkronen tanzenauf himmelspferden gallopierenim eigenen Kämmerchenwohlwollend auch zum selbst das geistige lotterbett nicht besudeln odermaßstabsein lassen für blaue Stundenwer weiß wo
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Beiträge Erzählung Prosa

Frédéric Valin: Wohnen

Nachts um zwei ist wieder was los. Mein Zimmer grenzt an die Küche, und Tag und Nacht haben für Ilse nur noch marginale Bedeutung; häufig kriegt sie nachts um zwei Lust auf, sagen wir mal, eine heiße Milch. Blöderweise steht keine heiße Milch im Kühlschrank, man braucht einen Topf – den alten, verbeulten, blankgescheuerten am besten, in dem wird schon seit Jahren, vielleicht auch Jahrzehnten die Milch heiß gemacht. Dazu braucht es auch den Herd, ein altes Ding, das noch mit Gas betrieben wird, und der keinen Anzünder hat; man muss ihn mit dem Feuerzeug entflammen. Außerdem ist er widerspenstig,...
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Beiträge Brief Prosa

Daphne Elfenbein: Wohnen…

… ist ganz schön anstrengend, findet Daphne Elfenbein. Immer gibt es irgendwas zu putzen. Nachdem Gastronomie, Museen und Wellness von Virus-Verordnungen vermiest sind, wird nicht mehr entspannt. Doch selbst fürs Nicht-Entspannen braucht man den passenden Sessel. Ach, Frau Elfenbein hat beim Putzen immer ganz philosophische Gedanken und eine Welle der Wonne wogt durch ihr Herz, als sie den Schmutzlappen im Schmutzwasser auswringt und nochmal über ihre Fußtapsen wischt. Ein blanker Boden - eine Wohltat! Sie wird sich einen Sessel kaufen! Je länger das mit dem Zwangswohnen währt, um so sichtbarer wird der Schmutz. Frau Elfenbein hat den Dreck nie wahrgenommen,...
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Beiträge Erzählung Prosa

Riela Dobby: Wohnen

Ich habe im Bad ein Fenster, dass rübergeht zu meinem kleinen Zimmer. Dort habe ich im Sommer immer das Außenfenster gekippt und lüfte nachts so, ohne dass sich eine Katze einklemmen kann. Abends beim Zähneputzen nehme ich wahr, dass im Zimmer nebenan etwas Großes rumflattert. Rasch schlage ich das Badfenster zu . Dass es sich um keinen Falter gehandelt haben kann, war mir bei der Größe sofort klar. Aber ich war müde und bin erstmal schlafen gegangen. Nach einem stärkenden Frühstück, musste ich mich der Situation stellen. Ich ging ins Zimmer. Es war nichts zu sehen. Aber überall lagen die kleinen...
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Beiträge Lyrik

Lea Schlenker: Aprikosenmänner

Ich lebeIch wohne in einem KinoLach nichtVon Xanadu und RosebudUnd wehende Blätter in lautloser PerfektionFülle ich meine Einkaufstaschen Mit königsblauem SamtCinemaFür zwölf FrankenUnd einer VideothekIn der ich alte Männer in verlorener Manier antrafHey ihr AprikosenmännerJetzt kommt die ZeitIn der sich für euch alles ändertIm CinemaMeinem ZuhauseNahm ich Platz auf staubigen Sitzen mit ButterfleckenMein Vater war TicketkontrolleurUnd meine Mutter das Stunt-Double von Grace KellyImmer nur Tee ist doch langweiligIch möchte ausnahmsweise mal Cherry Coke trinkenUnd in Hollywood sein Ich wurde geboren auf einer FilmrolleUnd werde auf meiner Schreibmaschine sterbenMit Greenwood in den Ohren und dem GedankenDass der Bundesrat hätte schneller reagieren könnenFuck...
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Beiträge Lyrik Uncategorized

David Telgin: Einraumwohnung

WohnzimmerSchlafzimmerMiniküche In einem Raum Auf 16 qm verteilt  Das Leben Aber wo istnoch Platz?
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Beiträge

Zeha Schmidtke: Fünf Gräber

Grab 1 Grab 2 Grab 3 Grab 4
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Beiträge Prosa

Katrin Rauch: Wir sterben alle irgendwann, die meisten von uns in Moskau.

Am 28. April 1993 stirbt die sowjetische Fliegerin und Offizierin Valentina Stepanovna Grizodubova in Moskau. Etwa zur selben Zeit hatten meine Eltern ungeschützt Sex. Wenn man einen Zeitraum von etwa zwei Wochen annimmt, in dem ich höchstwahrscheinlich gezeugt wurde, könnte ich alternativ zu Frau Grizodubova auch die Reinkarnation von Lucette Descaves sein – einer französischen Pianistin. Sie spielte 1932 unter Anleitung desselben das Dritte Klavierkonzert von Sergej Sergejevič Prokofjev, der auch in Moskau verstarb, aber fast genau 40 Jahre vor Grizodubova. Ob Grizodubova Descaves oder Prokofjev oder zumindest dessen Stück Peter und der Wolf ein Begriff war, lässt sich heute...
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Beiträge Lyrik Radiostück

Harald Kappel: Gedächtniskirche

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Beiträge Prosa

Daphne Elfenbein: Daphne Elfenbeins Leichenschmaus

Trauerweiden sind nicht traurig. Sie haben lediglich ein Bündnis mit der Schwerkraft. Drum lassen sie ihre Zweige runter hängen, statt sie in den Himmel zu stemmen wie die anderen Bäume, die Pappeln zum Beispiel. Überdies können sie ihre Finger ins Wasser tupfen, wenn ihnen zu warm ist. Das ist ökonomisch, ökologisch und nachhaltig. Jawohl!  Daphne Elfenbein findet, dass Trauerweiden zu Unrecht auf Friedhöfen herumstehen. Wenn es auf Friedhöfen keine Trauerweiden gäbe, vielleicht würden dann nicht so viele Hinterbliebene weinen an den offenen Gräbern, die im Totenmonat November besonders häufig weit auseinanderklaffen und Einblicke in furchtbare Abgründe bieten… die Möglichkeit, selbst...
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Beiträge Lyrik

David Telgin: Zurück

TrauerTränenund Abschied VerlustSchmerzund Loslassen Dein Wegaus der Dunkelheit Stufefür Stufe Findest du Zurück In dein Leben
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Beiträge Lyrik

David Telgin: Trauer

Der Atembleischwerdas Kleid Trauerdie dichin die Tiefe reisst Im Dunkelnsuchst dunach Licht
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