Marius Geitz: Magie

IV

Ich habe schon zu lang nichts mehr gegessen. Es tanzen kleine silbrig leuchtende Sterne durch den Raum. Ich fühle mich geschwächt, will aber die Sterne auch nicht verlieren, denn sie gefallen mir sehr.

V

Ich habe mich doch dazu durchgerungen
Noch rauszugehen
Es nieselt
Ganz leicht
Ich sehe es in den Lichtkegeln der Laterne
Und weiß, dass das was ich sehe, im Winter Schnee wäre
Und ich werde friedlich

Jesus Maria von Friedel: An die Autobahnraststättenmülltonne

Da stehst Du, unerklärlich Rund,
ungekannte Tiefe,
was glitzert da im tiefen Schlund?
Ah! Präservative!

Äonenlang magst Du hier steh’n,
seit wann, kann niemand wissen,
hast trutzig Deinen Dienst verseh’n
– und der ist echt beschissen.

So schluckst Du Jahr um Jahr galant,
was andere entbehren,
ganz stoisch, wie ein Erdtrabant,
und ohne Dich zu wehren.

Woher kommt dieser Gleichmut nur,
ganz ohne Seelenlast,
trotz Tampons, Windeln, Kot-Lasur,
nur ruhige Tonnen-Rast?

Wie ein Idol stierst Du mich an,
höhnisch grient Dein Schlund:
„Ich bin Tonne, Du nur Mann,
und das nicht ohne Grund:

Wer hier zu mir gekommen ist,
wird bald auch wieder gehen,
wenn Du schon längst verschwunden bist,
werd‘ ich noch immer stehen.

So leb‘ ich hier als stiller Gott,
kann, was ich verrichte,
ich entsorge Eu’ren Schrott
– Euch dann die Erdgeschichte.“

So steh‘ ich mit dem Eispapier,
bereit, wieder zu fahr’n,
von Ferne her rauscht die A vier,
fast wie der Ozean.

Michael Schmidt: Magie

– Überall sieht man sie heut wieder, diese Zauberer. In der Zeitung lest man sie, im Fernseher tun sie Wunder. Sogar in den Kirchen wird gezaubert, wird gesagt, dass man sich Warzen wegbeten oder doch zurückschrumpeln kann. Dämonen werden ausgetrieben, Pferde kuriert, Kamine gesegnet, aufdass sie nicht abbrennen oder so gefährlich für die Umwelt sein mögen. Ja, beim amerikanischen Präsidenten sitzen die Wunderkönner und segnen und besprechen und schauen die Zukunft. Dabei steht es schon bei den Propheten in der Schrift: ‚Und will die Zauberer bei dir ausrotten, dass keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen.‘ Und trotzdem tun sie’s alle. Und alle laufen ihnen zu und recken die Hände zum Himmel und schreien und schlagen sich selber an die hohlen Köpf. Ja, es ist schon eine finstere Zeit, wo alle diese Zauberer und Magier und Zeichendeuter wieder auf und ab gehen weit und breit. Und auf der anderen Seite? Die Wissenschaft gilt eh nichts mehr, und wenn einer sagt, dass es das und das gibt und dass das und das nicht stimmt, wird er ein Ungläubiger genannt. […] Oder dass er zum Schluss noch in die Hölle kommen tät. Dass er dafür in die Hölle kommt, wegen seinem Glauben in die Wissenschaft. Als Ungläubiger. […] Der Professor Wuiser hat auch gesagt, dass er sich heutzutage deswegen fürchten muss. Und dass er genau aufpasst, wen er was von seiner Wissenschaft erzählt. Am Ende nämlich könnt es gar ein Zauberer sein.

– Was hat er denn dann für eine Wissenschaft?

– Wie bitte?

– Na, was für eine Wissenschaft? Der Professor Wuiser?

– Ah, jetzt! Ja, der Herr Wuiser, der ist Alchemist. Warum?

Walter Hirschwieserl und Werner Lönsch: Ein Herz aus Zierkies

für Lotte, die dumme Sau (mein ehemaliges Zwergschwein, dass sich für mich opferte, obwohl ich eigentlich gar nicht in Gefahr war)
 

Prolog

Es war einer dieser regnerischen Oktobertage, an denen du schon beim Aufstehen merkst, dass es nur noch ein elender Dreckstag werden kann. Am Fenster klebte der Regen wie die Kaugummis auf den Straßen dieser stinkenden Stadt, in der die Träume zerplatzen wie Seifenblasen im warmen Sommerregen.
Doch von alledem hatte Gunther nichts mehr mitbekommen, denn er war tot. Doch wer konnte schon ahnen, dass es so kommt, wie es kam? Das Leben ist nun mal kein Kinderspiel, bei dem eines der Kinder kurzerhand die Regeln umschreiben und sich seine versifften Hände reiben kann. Hier ist es eben einfach vorbei, wenn deine Zeit gekommen ist.
Gunther O’Neilly war ein guter Mann. Kein besonders schlauer, Mann, aber ein Mann mit einem Herz aus Zierkies. Sein beiger Bürostuhl steht leer und einsam in der Ecke. Die Lamellen der Fenster werfen Strichermuster aus Schatten auf des Drehstuhls Polster. Gunther saß da immer drauf und hat “recherchiert”, jetzt gähnt seine Ecke. Das Büro wirkt so leer ohne ihn, so verdammt grau wie die ganze verdammte Scheißstadt.  Ich betrachtete die Tür. Da stand der Name meiner Detektei, aber spiegelverkehrt. Gunther war ja nie die hellste Kerze auf der Torte gewesen, aber das toppte alles. Er wollte nie einsehen, dass das Schild spiegelverkehrt war und spiegelverkehrt immer verkehrt ist, wie das Wort ja schon so schön verrät. aber ich hab es immernoch nicht umdrehen können. gunthers geist war in dieser türenscheibe irgendwie drinne. es wäre Frevel, das schild richtig herum zu hängen.
Was mach ich denn jetzt nur ohne meinen Partner? Ach ja: Kaffee. Die gelbliche Makadamiamilch brökelte in meine  ungespühlte aber dafür mit Kitschkacke bedruckte Tasse. Das dominant-schnippische Lächeln auf der Keramik grinste mich hämisch an, fast so als wolle mir die Tasse sagen: “Junger Mann, du bist alt genug selber zurechtzukommen! Auf gehts, Hamish, auf zum fröhlichen Jagen, die Verbrecher fangen sich doch nicht von alleine. Flieg Hamish, flieg flieg.”
Ich hob die Tasse hoch und warf sie gegen die Wand. Das schien mir das beste zu sein. Jetzt war da ein Fleck an der Wand. Ich glaube, ich muss die Wand neu streichen. Oder besser ganz einreißen. Ich musse etwas tun. Aber erstmal schön in den Nachdenksessel werfen und schlafen. Vielleicht würde dann alles besser werden, wie sonst auch immer.
 

Kapitel eins: Der Verschwundene Orgelmacher

Und dann stand sie in der Tür. Ihre langen, lockigen Haare erinnerten mich unweigerlich an meine Ersatzmilch aus fair angebauten Nusseutern. Sie sagte, sie sei Camilla und bräuchte meine Hilfe. Ich blickte sie langsam und lange an und fuhr mit meinem Kamm durch meine frisch geölten Haare. Eine lange Stille drückte sich in den leeren Raum zwischen uns. Mit einem Seufzer leerte ich mein Wiskeyglas mit einem Zug und fragte: ”eigentlich arbeite ich nicht ohne meinen Partner.” Dabei deute ich bedeutungsvoll mit einer Mischung aus Abscheu und Ekel auf das schwarz gerahmte Bild von Gunther. “Aber Herr Greenway, ich weiß, dass nur Sie für den Job in Frage kommen, bitte helfen sie mir!” Als sie das sagte, machte sie ganz große, feuchte Heringsaugen. Diese verdammten Frauen!  “Was gibt es den, meine Gute?”
“Mein Mann ist verschwunden. Er kam nach seiner “Arbeit” nicht mehr nach Hause. Ich und die Kinder haben mit dem Essen gewartet, bis es kalt war und haben es dann allein gegessen. Es war Kalt. Und zäh!” Ihre Stimme überschlug sich purzelbaumähnlich bei diesen verheißungsvollen Worten. Ich indes komponierte mir die Puzzleteile zusammen. “Beim örtlichen Discounter gibts gerade Mikrowellen zum Spottpreis.” Warf Hamish, der Detektiv, also ich, abwesend ein.  “Was macht ihr Mann denn eigentlich beruflich?” “Er ist Geschäftsmann. Oft auf Reisen” Da dachte ich mir meinen Teil dazu. Und ging weiter. Aber wohin? es gab doch keinen Ausweg aus dieser Situation. Wenn ich diesen Job ablehnte würde, würde würde würde ich zum Gespött meiner Selbst werden und mein Gewissen würde mich vom Selbstekel zerfressen lassen. ich musste also ja sagen. Kurz darauf starb ich. Innerlich. Es fühlte sich zumindest ein bisschen so an.
Ein neuer Tag in meinem trostlosen Leben hatte sich in Staub aufgelöst, wie ein trockener Furz eines Wüstenfuches am Morgen danach. Ich erwachte, wie ein erstochener Igel und mein Kopf hatte Höhenangst. Ich errinerte verblasst an den Auftrag vom Vortag. Wer war dieser Geschäftsmann und warum? Camilla hatte mir nur ein verpissgilbtes Foto ihres Gatten selig gegeben und seine Visitenkarte. Darauf stand: “Pete Hammingway, Orgelsbau und Kruzifixmanufaktur. Alles für die moderne Kürsche von heute.
Aha. Ein Geschäftsmann, der mit Orgeln handelte also. Meine erstes Ziel war also dieser vollidiot von Referent Forster aus der Holy-Melony-Gemeinde hier um die Ecke. Ich machte mich also auf in dieses Drecksloch, das die Menschen hier Kirche zu nennen pflegen, und mich ein bisschen umsehen.
Danach verließ ich die Kathedrale mit Tunnelblick. Hinterher fiel mir auf, dass ich dabei doch das Wichtigste vergessen hatte: Referent Forster. Deprimiert und niedergeschlagen schlich ich zurück.
Also nochmal ab in die Kathedrale und diesmal wirklich den Referent vorknöpfen, diesen fiesen Miesling. Irgendetwas hatte ich gegen Gottes Personal. Und das beste: es war völlig grundloser Hass, aber ich finde grundlosen Hass grundsätzlich schick. Foster war ein  flacher und langer Mensch mit grünlichem Teint, fast wie ein Frosch. Er hatte auch eine genausolange Zunge, die ihm beim Predigen und Fliegen Fangen aus der Zunge hing, wie ein verkochter Spaghetto. Er war jedenfalls ein verdammter Unsymphath, den nur die Omis leiden mochten, die sich jeden Sonntag ihren Segen, ihre Portion gebackene Erlösung und natürlich auch einen ordentlichen Schluck aus Christi Pulle in ihre entzündeten Rachen stopfen ließen.
Da saß ich also in Fosters Predigt. Er seierte irgendwas von Weinbergen und verlorenen Schäfchen.  Pah, was soll das denn bitte mit Gläubigkeit zu tun haben? Aber Zoophilie und Saufen schien ja zu Fosters Lieblingsthemen zu gehören. Hätten wir uns unter anderen Umständen kennen gelernt, hätten wir zumindest einige gemeinsame interessen zum Plaudern gehabt. Aber jetzt musste ich handeln. Er war mein einziger Verdächtigter bisher. Ich musste ihn mir aufknöpfen. nur wie? Die ganze Kirche war voller Knusperhexenomas, die sich schon den Mund wund sabberten in seliger Erwartung ob des Weines mit Furzwaffeln. Ein Luxusjob war das hier gewiss nicht. Aber was hat man schon davon, in ein vergoldetes Klo zu scheißen? Eben. Ich schlich mich also katzenartig die Stufen zur Kanzel hoch. Oben angekommen sprang ich auf Foster drauf und haute ich ihm eine Monstranz direkt in seine Maul  hinein. Ein schönes Gefühl, ihn so ohne Zähne wimmmernd auf dem Kanzelboden liegen zu sehen. Den Omas schien es auch ganz gut zu gefallen. Ich rief noch: “So Ladies, heut ist Selbstbedienung, holt euch eure heiligen Waffeln direkt am Altar ab.” Stehende Ovationen! Ich hatte leichtes Spiel. jetzt gab es kein Halten mehr. Während sich unten noch die Rentnerinnen um die Oblaten prügelten, wie mittelalte Mütter am Donnerstag beim örtlichen Discounter um Kinderhosen, holte ich meine Schreibtischlampe (Modell Moelma) aus meiner Manteltasche und knallte sie ihm sachte und bestimmt ins Fressbrett. “Kennen sie Pete Hemmingway?” “Nein” “Wieso?” “Ich bin furchtbar schlecht mit Namen.” ich haute ihm nochmal in sein Gesicht, das einen roten Sprühregen von sich gab. Dann richtete ich die Lampe direkt in seine sich langsam schwärzende Augen. “Was soll denn die Lampe?” fragte dieses Dreckschwein. Ich antwortete prompt und unverzüglich: “Sie blenden” “Dann wäre ein Leuchtmittel nicht schlecht oder?” schniefte er mit einer Mischung aus Frechheit und Unverschämtheit. Ich sah die leere Fassung der Lampe und wurde sehr wütend, schmiss das schwedische Schrottteil weg und haute dem Pfaffen nochmal, diesmal aber in die Rippen. Er spuckte Blut. Es war glaube ich rot. “Haben sie Hammingway getötet?” Er spuckte nebst Zähnen auch folgende Antwort aus, die mich wie Eiszapfen in mein kleines, verschrumpeltes Herz stachen: “Nein.” Ich ließ ab von ihm und reichte ihm meine Hand. “Ach so. Dann stehen sie doch auf!” Die Omas klatschten, ein paar fielen sogar in Ohnmacht, glaub ich. Ich ließ ihn noch seinen Segen lallen und die Omas und der Pfarrer verließen das Gotteshaus.
Nur eine kleine Figur blieb noch sitzen und wartete. Sie sah mich schon den ganzen Abend lang mit zwielichtigem Blick an, fast wie ein Dudelsack aus dem man nach dem  Getröte nun endlich die Luft abgelassen hatte. Ihr Gesicht hatte Falten und eine Art Karomuster. Ich machte mich auf zu gehen, doch als ich durch die Bankreihen schritt, packte sie mich erstaunlich eindringlich am Arm. “Junger Mann, ich glaube ich weiss Etwas, das sie interessieren könnte.” Sie stand auf und führte mich auf ihren Stöckelschuhen an den Altarbildern entlang. Mir wurde mulmig. Hatte die Spinatwachtel etwa ein Ass im Ärmel? Hatte sie etwas im Busch? und wenn ja, wieviel?
“Wissen sie eigentlich, wie alt das diese Kirche ist, Mister …” “Hamish. Nein das weiß ich nicht, Ma’am aber ich würde sagen, mindestens hundert wenn ich mir sie so recht ansehe” “Na, sie Schmeichler. Aber ich fragte nicht nach meinem Alter, das weiß ich selber.“ Sie schwebte mit mir an einem alten Bild vorbei. Es zeigte einen Mann, der weinend an einen Baum gefesselt war und dem Pfeile aus dem ganzen Körper ragten. Sein Blick richtete sich gegen den wolkenverhangenen Himmel und Vögel tummelten sich lustig in demselben. Was für kranke Fantasien diese Schweinepriester doch hatten. Da war das nebenan gelegene Hardcoresmstudio “Cleopatras Rache”, in dem ich gelegentlich verkehrte, der reinste Kindergarten. Es gab dort zwar auch Bäume, aber keine Vögel. “Nein Herr Hamish, diese Kathedrale ist ungefähr 84 Jahre und zehn Monate alt. Und das besondere an ihr ist, dass sie komplett aus TK ist.” “Hmmlecker, ich liebe ddie Eiskreme von Bifrost und das Gemüse von Frösta. So einfach, so genial! Am besten beides zusammen in die Friteuse hauen und …” Sie unterbrach mich unwirsch “Nein. Unsere Gemeinde hatten sie damals nach dem krieg aus Ermangelung an Alternativen mit eigenen Zungen aus dem Packeis geleckt.” “Hören sie Fräulein, ich bin nicht hier um eine Tourismusführung durch ihren gruseligen Eisladen zu bekommen”
Sie führte mich an die Register der Kirchenorgel hinan und trat auf die Tasten. ein schlimmer Ton füllte das Kirchenschiff wie ein Strom aus Fäkalien das Vorklärbecken der städtischen Kläranlage, wenn am Morgen die Stadt langsam erwacht und sich vor dem Arbeitsweg dem kollektiven Gang zum Abort hingibt. Ich mäanderte zu der alten Frau hin und trat ihr mit dem Ellenbogen zärtlich in die Rippen. Sie verstand. Eine Woge aus Lust durchzuckte sie, wie ein frisch geölter Ochse. Sie machte zweideutige Bewegungen und zog sich aus. Dann wurde ihr aber sehr schnell kalt und sie zog sich wieder an. Während ich ihr dabei gelangweilt zusah (das Ganze dauerte aufgrund diverser Gelenkentzündungen etwas länger und wurde von illustren Stöhnlauten untermauert) fiel mir das Schild an der Orgel auf. Hammingway, stand da in angefrorenen Lettern. Der Mann war also hier gewesen. Vor längerer Zeit zwar, aber er hatte hier seinen Nachnamen an die Orgel gekratzt. Aber warum? War es eine Warnung? Die Warnung davor, was mich hier erwartetete? Ich war ratlos und ließ den Fall fallen.
 


Sprecher: Felix Benjamin

Musik: Mark Maxwell – Angel Eyes
Mark Maxwell – Harlem Nocturne

Fabian Lenthe: Hank & Sylvie

Es gab keinen Grund für sie mich zu verschonen, auch nicht nach all den Jahren, in denen wir uns immer wieder das Leben retteten. Ich trank zu viel und nachdem sie den letzten Fall alleine lösen musste, konnte ich zum ersten Mal einen leicht verächtlichen Unterton in ihrer Stimme hören. Ich wusste nicht ob sie es ernst meint oder einfach nur erschöpft war aber ich wusste, dass sich unser Verhältnis geändert hatte. Ich gab ihr, wie immer, am Ende jeder Woche ihren Scheck, als sie eines Abends in mein Büro kam, um ihn sich abzuholen.
„Na, wie sieht´s aus?“
„Hi Sylvie, willst du was trinken?“
„Ist das eine Frage?“
Ich goss uns zwei doppelte Scotchs ein und stellte einen vor ihr auf den Tisch.
„Setz dich.“
„Danke.“
„Hier, dein Scheck, deswegen bist du doch gekommen.“
„Bin ich, ja. Es gäbe da allerdings noch etwas anderes über das ich mir dir sprechen wollte.“
Wir tranken gleichzeitig und sahen uns dabei in die Augen. Ihr Blick war klar und fokussiert.
„Was gibt es?“
„Wie lange arbeiten wir jetzt schon zusammen?“
„Sylvie, was soll das?“
„Es sind genau zwölf Jahre, Hank!“
„Kann sein, ja. Ich weiß nicht. Auf was willst du hinaus?“
Sie kramt eine schmale Packung Zigaretten aus ihrer Tasche, nimmt eine davon heraus und zündet sie sich an.
„Du wirst langsamer, Hank.“
„Was willst du damit sagen?“
„Du weißt sehr genau was ich damit sagen will. Das letzte Mal, als wir zusammen einen Fall lösten, wäre ich fast verblutet, weil du nicht schnell genug reagiert hast.“
„HEY, ich hab dir verdammt nochmal gesagt du sollst auf mich warten bevor du die Tür eintrittst, laut meiner Information sollte der Typ gar nicht zu Hause sein.“
„Das war er aber und ich hab die beschissene Kugel abbekommen.“
„Sylvie, verdammt, ich…“
Sylvie schnitt mir mit einer scharfen Handbewegung den Satz ab.
„Nein Hank, wenn du ihn nicht verfolgt hättest und mich liegen gelassen, wäre ich nicht halb verblutet. Du hast mein Leben riskiert obwohl du es hättest retten sollen. Wir haben uns geschworen den anderen niemals im Stich zu lassen, egal wie ausweglos die Situation ist.“
„Sylvie, es tut mir leid, ich habe mich hinreißen lassen, wir waren eine Ewigkeit hinter diesem Kerl her und er war zum Greifen nah, ich dachte, ich würde ihn,….versteh doch.“
„Hank, verdammt, du hast mich liegen gelassen!“
Ich griff nach meinem Glas und sank immer tiefer in den Sessel. Sie hatte mit allem Recht was sie sagte und ich hatte ihren Vorwürfen nichts entgegenzusetzten. Das Telefon im Vorraum klingelte.
„Sylvie, entschuldige mich bitte, ich bin gleich wieder da.“
Als ich den Hörer abnahm, sagte mir eine schluchzende Frauenstimme einen Namen und das jemand verschwunden sei.
„Hallo, bin ich hier richtig bei Hank & Sylvie Detective Agency?“
„Das sind Sie, ja. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Sie erzählte mir, dass Ihr Mann seit zwei Tagen nicht nach Hause gekommen war und die Polizei nichts unternehmen wolle. Sie rieten ihr einfach abzuwarten und das Abendessen zu kochen, er hätte sicher großen Hunger, wenn er nach Hause käme. Ich versuchte sie ernst zu nehmen und behielt dabei die Tür des Büros im Auge. Durch das blickdichte Fenster in der Tür konnte ich Sylvies Silhouette erkennen. Sie war aufgestanden und lief im Zimmer herum.
„Ok, hören Sie, wir werden uns darum kümmern. Kommen Sie morgen früh einfach vorbei und bringen Sie bitte ein Foto mit.“
Ich legte auf und ging zurück ins Büro. Sylvie sah bezaubernd aus. Sie saß mit einem Bein angewinkelt auf meinem Schreibtisch und das gedimmte Licht ließ ihr blondes Haar schimmern.
„Ein neuer Auftrag, Hank?“
„Ihr Mann ist seit zwei Tagen nicht nach Hause gekommen, sie..?
„Lass mich raten, sie hat die Bullen angerufen aber die wollten nichts machen, stimmt´s?“
Sie stand auf und drehte sich zu mir um, hob ihr Glas und prostete mir zu.
„Hank, ich wollte dich nicht kränken aber ich musste es dir einfach sagen. Seitdem ich fast gestorben wäre hatten wir kein Wort mehr darüber gesprochen und ich wollte einfach nur, dass zwischen uns..“
„Alles Okay, Sylvie. Es war mein Fehler und ich verzeihe dir.“
Wir stießen an und tranken in einem Zug aus.
„Also gut, Misses Schneider kommt mor…“
„Alles in Ordnung, Hank?“
„Nein, ich, mir ist so…“
Mir wurde schlecht und schwindlig, ein stechender Schmerz durchzog meine Gedärme und verbreitete sich im ganzen Körper. Ich fing an zu schwitzen und hielt mich an der Kante des Schreibtisches fest. Ich konnte mich nicht bewegen und meine Arme und Beine begannen langsam taub zu werden.
„Was ist denn Hank, geht es dir nicht gut?“
„Sylvie, ich…ruf den Notarzt!“
„Wirklich Hank, ich soll den Notarzt rufen? Ich weiß nicht, vielleicht bleib ich auch einfach hier sitzen und sehe dir zu wie du abkratzt, wie wär´s damit, sag doch was.“
„Sylvie, BITTE“
„NEIN HANK! DU BIST EIN MIESES STÜCK SCHEISSE UND HAST DEN TOD VERDIENT, VERRECKEN SOLLST DU, DU MISTKERL, VERRECKE!“
Ich versuchte mich mit letzter Kraft aus dem Sessel zu stemmen aber ich fühlte keinen Muskel mehr in den Beinen und fiel zu Boden.
Ich vernahm ein unregelmäßiges, dumpfes Vibrieren, das all meine Aufmerksamkeit forderte.
„Hey Hank, aufwachen, wach auf, du alter Mistkerl! Da hast du mal wieder verdammtes Glück gehabt, wie immer, was?“
Ich öffnete langsam meine Augen.
„John?“
„Natürlich John, erkennst du meine Stimme denn nicht? Enttäusch mich nicht Hank, wie lange kennen wir uns schon, wie oft kamst du halbtot hier an und ich hab dich wieder zusammengeflickt?!“
„Was ist passiert?“
„Gift, du wurdest vergiftet Hank. Schwere Intoxikation. Wir mussten dir deinen verdammten Magen auspumpen. Aber du hattest Glück, ein bisschen mehr und du wärst diesmal wirklich gestorben.“
„Sylvie.“
„Nein Hank, Sylvie ist nicht hier, Misses Schneider hat dich gefunden und den Notarzt gerufen. Sie sagte sie sei an dem Abend, an dem sie bei dir angerufen hatte, noch vorbeigekommen.“
„Misses Schneider? Wo ist Sylvie?“
„Ruh dich aus Hank, es wird sich alles aufklären, bestimmt.“
 


 

Hank: Dieter Radke
Sylvie: Lisa Neher

Regie: Lukas Münich
Schnitt: Andreas Weber

Peter Momberg: Helden

Radio hat mich gefragt wer mein Vorbild ist.
Mein grosses Vorbild ist Christian Grey. Habe gelesen Bücher eins bis drei, in denen er sein Leben als Multimillionär beschreibt. Er hat viele Freunde aber im Herzen will er nur eine Sache: Liebe.
Das ist wie bei mir. Mombi möchte auch Liebe. Ich möchte geliebt werden, aber keine will mich lieben.
Christian Grey hat es aber geschafft, weil er ein Firmen Impernium besitzt, sehr sportlich ist, Hubschrauber fliegen kann und ein total kranker Mann ist.
Darauf stehen die Frauen, das zeigen Bücher.
Er heiratet und bekommt viele Kinder.
Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Mein Firmen Impernium ist pleite gegangen, Mombis Maulbomber sind die Maultaschen der Zukunft gewesen, aber nicht von heute. In Summe keine verkauft, schlechter Deal. Sportlich bin ich auch. Hubschrauber ist mein Onkel Costa-Raul in Vietnamkrieg geflogen. Er ist viel Hubschrauber geflogen.
Weil wir so viele Ähnlichkeiten haben ist Christian Grey mein Vorbild. Ich möchte so werden wie er. Er ist mein Stern am Himmel. Wenn ich nicht weiß, was ich kann, frage ich mich, was hätte Christian Grey jetzt gemacht. Wenn ich nicht weiß wer ich bin frage ich mich, wer ist Christian Grey. Wenn ich meinen Körper hasse frage ich mich warum Christian Grey so einen schönen Körper hat.
Er ist der starke Mann von heute.
Ich bedanke mich außerdem bei meinem Freund Mats Hummels für die Unterstützung die er mir in schweren Zeiten gegeben hat. Danke.

Tibor Baumann: Im Fluss ist es still

And am I born to die?
And lay this body down?
And as my trembling spirits fly Into a world unknown
A land of deeper shade
Unpierced by human thought
The dreary region of the dead
Where all things are forgot

David Tibet / Current93 Idumae,
Black Ships ate the sky

Die Nacht umschloss sternenklar das Land.
Wie drohend schwarz-lilane Wolkenberge, die sich stürmend den Horizont erobern, versank er mit all seinem Leben, sein ganzes Ich, in einem Strudel, der ihn stumm wie den Kosmos machte. Mit kaltem Wind die Ahnung des kommenden Sturms, wie das Grollen, herannahender, preschende Pferde einer Streitmacht. Und dann war es immer still; in dieser Stille flog er. Klares Wasser, das war es schon immer gewesen, Wasser, dass ihn umgab. Und die Wolkenpferde, die preschten voran, Steine versprengend, trugen sie ihn und waren doch nur Gischt und Schaum. Es verstummte sein Vater, der alte Adler; eine Sternschnuppe die aufleuchtend verglühte. Und letztlich fühlte er, wie er gezeugt wurde, eine Nova, ein Aufkeimen, eine Vereinigung und ein vergehender Prozess im Moment seiner Entstehung.
Edgar schlug die Augen auf und starrte in das im silbrigen Dunkel liegende Schlafzimmer. Sein Inneres war aufgewühlt wie aufschäumendes Wasser, das den Fels hinabstürzt. Neben ihm, tief in den weißen, gestärkten Laken schlief entrückt seine Frau. Edgar fühlte deutlich das Zimmer, das Haus, den großzügigen Garten, die Stadt, jeden Raum um sich herum, als wäre er in spiralförmigen Muscheln eingebettet, die ein Außen kannten und doch kein Außen hatten, da sie sich in ewiger Wiederholung in einen neuen Raum verwandelten.
Edgar setzte sich unsicher auf, rückte auf die Bettkante. Über die breite Treppen, die dunklen hölzernen Stufen, schlich sich das Ticken der Uhr hinauf. Edgar hob den Blick und sah durch die Länge des Schlafzimmers, als ob er dem Geräusch entgegen sehen könnte.
Eine Weile saß er nur dort. Dann stand Edgar traumwandlerisch auf und verlies leise das Schlafzimmer. Nur eine schmale Shiloutte des Mannes, der am Tag so viel Macht und Kraft ausstrahlte.
Über die Balkonade die die beiden Flügel des Familiensitzes verband, ging er in sein Arbeitszimmer. Langsam, vorsichtig setzte er sich unter den ölfarbenen Augen des Familienporträts der Steins, in seinen Arbeitssessel. Sein Blick suchte etwas im Dunkel, an den Rücken der Bücher in den hölzerneren Regalen, in den rauschenden Blättern, die vor dem Glas der Fensterscheiben mäandernd das Mondlicht unterbrachen und wispernd von einem Draußen erzählten.
Plötzlich atmete Edgar ein, sich erinnernd dem Ersticken nahe zu sein, fliehend, sich an das Leben krallend, als wäre er beinahe Untergegangen, schöpfte er tief Luft.
Mit großen, festen Händen, strich er sich das dunkle Haar und die silbernen Streifen nach hinten. Ein Geste voll Würde, trotz des schief sitzenden Schlafanzuges. Dann knipste er die gelb schienende Schreibtischlampe an und zog mit energischer Geste die bereitgelegten Unterlagen zu sich.
So endete Edgar Steins Nacht bevor der Tag anbrach.
Es würde ein sonniger Tag werden; als ob der Herbst dem Sommer ein letzten, schwachen Glanz gewähren wollte, bevor das Grau sich über das Land legen würde.
Der alte Kern der Stadt thronte mit Schloss und Wehr über dem Fluss und verbarg die sich dahinter ausbreitende Bauten aus Stahl und Glas und die speienden Schlote, das Räderwerk, die Tonnen an Dingen und Material, die verschoben, genommen und wieder gegeben wurden, die sich in Betonadern ergossen, Schneisen durch das Grün und die Berge zogen, bis zur nächsten Stadt, dem nächsten Flughafen, den Bahnstrecken und den unsichtbaren Verbindungen der Menschen, die sich über alles legten: über Land, Fluss und Himmel, über Berge, Meer und Luft hinweg, hinein in die Ebenen der Impulse, der unsichtbaren Konstrukte der Metaphysik, der Gedanken und Informationen, in Überzeugungen und Willen gegossen, sinngebende Riesen ohne Körper, für die wieder aus Stein und Recht, aus Glas und Macht, gigantische Konstrukte und Türme und Mahnmale und Häuser und Plätze errichtet waren.
Die Kirchturmuhr schlug guten Morgen; auch an diesem Morgen. Ein Tag, der so wie jeder anderen im Strom der Zeit sich in die Abfolge aller Dinge reihte.
Tau netzte die Wiesen und Wälder deren Wipfel mit bunten Tupfen das Land färbten, die die Stadt einfassten. Wie ein Band zwischen Welten zog sich der Fluss am alten Kern aus mittelalterlichen Bauten entlang, erst weiß und wild, dann klar und blau und schließlich langsam und grün, die Stadt verlassen, in die Wälder verschwindend. Eine riesenhafte Schlange in ruhiger Bewegung, sich der eigenen Größe und Unumstößlichkeit dank der Anpassungsfähigkeit an Fels und Erde bewusst.
An diesem Tag, in dieser Stadt, an jenem Fluss, geschah der Anfang. Es geschah zum ersten mal. Nicht als Auslöser. Nicht in Verantwortung. Nicht als plötzliches Ereignis. Es geschah als Teil der Tatsachen, die sich aus dem mikroskopisch kleinsten Zusammenhang und denen kosmologischen Ausmaßes entwickeln. Unweigerlich und vollkommen; variabel, die Welt, die uns immer solche Angst gemacht hat, da sie, um so tiefer wir in sie blicken, ohne formende Macht, sich selbst bedingt und hervorbringt. Ein solcher Anfang war es.
Hätte jemand bemerkt, dass es hier tatsächlich zum ersten Mal geschah, hätten manche vielleicht von einem Auslöser, dem ersten Verlust, einer sich ausbreitenden Krankheit, vielleicht auch von einem Schuldigen gesprochen. Aber es war ein unbemerkte Anfang; das Gegenteil dessen, was sonst dem Ersten zugedacht ist:
Kein Ruhm, keine Ehrung. Kein Urteil und keine Anteilnahme.
Lilia und Edgar saßen an dem alten, großen Holztisch im Wintergarten, von dem der Blick über den wilden, großen hinteren Gartenteil schweifen konnte. Die bunten Köpfe der Eichen leuchteten bunt und die Sonne fiel glitzernd auf das Paares.
Lilia durchforstete ihre Nachrichten auf dem Tablet, trank gesüßten Kaffee und aß Obst und Nüsse zum Frühstück. Immer wieder sah sie auf und musterte heimlich forschend, ein wenig besorgt, nach einem Moment suchend, da sie seinen Blick fangen konnte, die Züge des Mannes, den sie so gut kannte. Edgar sah nicht auf. Es war keine Missachtung. Er war schon in seinen Tag verstrickt, las die Berichte zu den Vertragsmemo noch einmal und durchsah abwechselnd die morgendliche Zeitung, während er grünen Tee trank. Das Essen ignorierte er. Einer jener Morgen, an denen er nach einer Aufforderung Lilia etwas zu essen erwidert hätte, dass ihm das Leben bis in den Rachen stünde und sich sofort übergeben müsse, wenn er jetzt esse.
Die Keramik klirrte leise, als Lilia ihre Tasse abstellte. Edgar verwarf wieder die Zeitung. Sanft legte sie ihre Hand auf seine.
„Ich nehme den ersten Flieger wieder zurück.“, lächelte sie ihn ernst an. Edgar runzelte die Stirn.
„Nimm dir Zeit. Leopold freut sich.“, erwiderte er wegwischend. Er entzog seine Hand und leerte seine Tasse. Forschend sah sie ihren Mann an, der Aufstand und das dunkelblaue Sakko anzog, die Manschettenknopf gehaltenen Hemdaufschläge hervorzog, die Weste zurechtrückte, den linken Arm schüttelte und so die Uhr an ihren Platz brachte.
Seine strenge Haltung verriet nichts. Aber Lilia kannte ihn nun schon zu lange. Seine innere Unruhe war wie ein dunkles Tier, das im Augenwinkel lauert. Als wäre da eine Vorahnung, die er nicht zu benennen im Stande war.
Mit flachen, festen Händen strich er die dunklen, silber durchzogenen Haare zurück. Sich aufrichtend, sah er von den Papieren, dem Tisch auf, hinaus, in die Ferne. Seine Habichtgestalt warf den Schatten lang in das hinter ihm liegende Haus.
Mit einer Absage in der Geste griff Edgar nach dem Memo, der Zeitung, schob es in seine Ledertasche. Die Hand auf ihrer Schulter, küsste er Lilia auf die Stirn.
„Sag dem Jungen, ich bin stolz auf ihn.“ Lilia sah Edgar erschrocken an; es war ein Abschied. Ihre Hände legten sich kurz ineinander und das so vertraute Gefühl, den jeweils so ungleich empfundenen, aber geliebten Menschen gekannt zu haben, legte einen Zufriedenen Moment in die Gesichter der beiden. Und betonte die Vergangenheitsform, das Gefühl des geschehenen und nicht im Moment sich ereignenden. Edgar nahm Hut, Mantel und Tasche von der Garderobe und seine Schritte verhallten im langen, hohen Flur und verschwand nach draußen. Lilia konnte durch den schmalen Galsstreifen in der hohen Türe sehen, wie der Fahrer hinter Edgar die Türe des Wagens schloss. In seltsamer Art war das der letzte Blick, den sie auf Edgar legte.
Der Fahrer lenkte mit ruhiger Hand den Wagen, der wie ein schwarzes Schiff durch den Verkehr glitt. Edgar besah sich die Welt, von außen, getragen, durch das Vehikel. Die Unterlagen lagen nutzlos in seiner Hand, auf seinem Schoß verstreut.
Er blickte hinaus und sah das Treiben, das vorüber zog, wie ein getragenes Theaterstück.
Edgars Vater war ein strenger, aber liebevoller Mann gewesen, der von seinem einzigen Sohn – bedingt durch den Kindstot des ersten und dem tragischen Unfall, der Mutter und Tochter dem Leben entriss – alles verlangte. Bedingungslosen Erfolg und absolute Hingabe an die Familie und das Leben, also, alle Handlungen und Unternehmungen, die nicht geringer als groß sein durften. Edgar wusste schon früh um seine Privilegien – und das sie nichts wert waren, wenn man nichts damit tat:
„Dein Aufrechter Gang ist ein Geschenk der Evolution, Edgar.“ Sein Vater hatte wie ein alter Adler über den jungen, schmalen Edgar gebogen. „Dank dieser Entwicklung, hat dein Körper die Fähigkeit Energie umzusetzen, die ein so komplexes Gehirn füttert, das zu solch erstaunlichen Leistungen fähig ist.“, fuhr er fort. Es war ein Sonntag gewesen, der Vater im schwarzen Anzug. Tee auf einem Tablett. Ein schweres Buch auf dem kleinen Gartentisch. Der Siegelring an der krallenartigen Hand des Vaters, da er mit dem Zeigefinger auf die Stirn des keinen Edgar tippte, bestimmt, aber frei von Gewalt. „Wir können sprechen und denken und die Welt mit unseren Sprache anreichern; wir denken und formen die Welt, weil wir uns organisieren.“ sagte er mit tiefem Bass und griff die Hände, die kleinen Hände, mit seinen großen:
„Verstehst du?“ Das Haar stand Edgar ein bisschen wirr vom Kopfe, mit dem er ernst nickte. Der Vater strich ihm lobend über die Wange. Stolz den er sparsam ausgab.
Edgar schloss sein Architekturstudium mit Bravour ab und nicht, weil er der beste in den mathematischen Grundlagen, den statischen Eventualitäten oder in der historischen Betrachtung der Errichtung war, sondern weil er es zu einem neuen Gedanken zu konstruieren wusste. Edgar war noch keine dreissig Jahre, als er die Architektur mit dem Gedanken der strukturellen, zivilisatorischen Errichtung verknüpfte. Seine Überlegungen nutzte er um ein Architekturbüro aufzubauen, dass global und anthropologisch dachte. Das Errichten von Häusern, Brücken, Tempeln, das Planen von Netzen und Zusammenhängen von Behausung und Netzwerk, wurde in Edgars Händen mehr als die Planung von Bauunternehmungen. Es war die Idee der Überlegenheit des Menschen; die Architektur als Beweis, wofür anderen Götter, Propheten, Lenin, Kapital oder Erfolg benötigten. Er zog die Menschen in seinen Bann, mit seinen Ideen, seinem Blick und um so älter Edgar wurde um so mehr wurde aus dem Habicht der alte Adler, der mit scharfen Verstand und geschliffenen Worten die Menschen um sich herum mit seiner Idee zu verbinden wusste.
Die Mitarbeiter von „Stein&Stein“ waren Teil einer Idee; seiner Idee der Welt, auf die jedes Bauwerk zu einem besseren Nutzen und größerer Schönheit, effizienter Nutzbarkeit und klarer, zivilisatorischem Überlegenheitsbeweis führte. Architektur und Zivilisation, das Zeichen der Herrschaft des Menschen, ein Alleinstellungsmerkmal, dass es immer wieder neu zu denken galt. Von der hoch bezahlten Managerin bis zum letzten Putzmann, waren sie Teil einer Gemeinschaft, denen Edgar weltweite Privilegien einräumte, Wohn- und Reisemöglichkeiten, Bildung und Entwicklungsmöglichkeiten – im Sinne seiner Idee, die zur Bewegung wurde.
Er errichtete mehr als Gebäude. Er organisierter die Menschen, mit seiner Idee errichtete Edgar Stein eine Gemeinschaft im Glauben an die Geschichte, den Mythos. Von Erfolg waren all die großen Unternehmungen gekrönt, weil Gemeinsamkeit ansprach, die zu Identität durch Zugehörigkeit führt.
Edgars Arbeit führte ihn virtuell über drei Kontinente und in verschiedenen Lebenskontexte. Die Projekte und Absprachen mit hoher Priorität leitete er immer noch selbst. Edgar brachte diese Idee mit sich, wie eine Präsenz, die an ihm, seiner Haltung, seiner Wortwahl hing; der Mythos, die Geschichte die ihn durchdrang öffnete ihm und seinen Unternehmungen Tür und Tor.
Edgar sah auf; der Wagen hielt leise an einer Ampel, deren rotes Licht sich spitz auf die Gestalt des Fahrers legte.
„Ben, drehen Sie um.“ Edgars Stirn lag in Falten. Als wüsste er nicht genau weshalb, aber doch, dass es richtig war. Energisch legte Edgar die Unterlagen zur Seite.
„Fahren sie mich in mein Atelier.“ Der Fahrer nickte knapp und wendete mit grünem Licht den Wagen in die entgegengesetzte Richtung.
Jenes Haus, das Edgar als sein Atelier bezeichnete, hatte er als Ruine erworben, um es neu zu beleben. Jeden Strich, jede Leitung, jedes Stück Putz, alles hatte er selbst getan. Und im Tun, hatte er seine Gedanken ordnen können, die wilden Gedanken eines jungen Menschen. Und geordnet hatte er die Idee entwickelt. Hier hatte ersten Grundstein für sein Imperium, seine Auffassung, seine Geschichte zur Welt errichtet, während er das Haus neu erdacht und erbaut hatte.
Das Haus war schlicht eingerichtet, ein Gegenentwurf zu dem, was ihm das Erbe seiner Familie aufzwang. Keine pompöse, dunkel-eicherne Vergangenheit; Edgar hatte die alte Bausubstanz mit neuen, klaren Linien vereint, die in Glas mündete, so dass der vorbeiziehende Fluss, die wogenden, Bäume, das Gras des sanften Abhangs, der sich über die Wipfel spannende Himmel, Teil des großzügigen Hauptraumes werden konnten.
Edgar stand kaum atmend inmitten der Stille. Den Fahrer hatte er fortgeschickt. Starr, mit kurzen Bewegungen suchten seine Augen, irrten zwischen dem kleinen Tisch, dem dezenten Sofa, dem Draußen, hin und her. Das Herz schlug ihm bis zum Hals, als mochte es sich dafür entscheiden ihm herauszuspringen. Zu beenden, was es vorantreibt, voran, immer nur voran, immer diesem einen, diesem bestimmten, diesem letzten Schlag entgegen.
Vage erinnerte er: fernes grollen; schäumende Pferde, das Vergehen eines hellen Sterns.
Losreißend trat Edgar an die lange Glasfront. Mit leisem Klick löste sich der Hebel und mit elegantem Geräusch glitt die Tür zum Garten, zum Fluss, zur Seite. Der Wind griff nach dem Raum, zerzauste Edgars Haar. Das graue Sakko klappte nach hinten. Edgar trat auf das feuchte, grüne Gras, auf dem bunte Blätter getupft waren. Edgar folgte einem schmalen Weg aus flachen Steinen; in seinen Augen spiegelte sich plötzlich eine Sicherheit, ein folgsamer Instinkt, der ihn leitete, auch ohne zu Wissen wohin.
Zuerst an seinem Grundstück entlang, wo sich nach einer gemauerten Erhöhung der Holzsteg in den Fluss zog, dann zur Böschung wurde, als er durch eine geschlosserte Tür aus dem Grundstück trat.
Er war dem Fluss jetzt nahe. Das stete Rauschen des Flusses ließ ihm die Haare aufstehen; erotische Anziehung, mehr als Lust, aber Verlust des Bewusstseins. Der Pfad zog sich durch einige Büsche, die ihm in seinen Weg ragten, ihn sanft streiften. Das Wasser auf den welkenden Blättern hinterließ dunkle Sprenkel auf seinem Anzug. Und als sich die Büsche lichteten, wand sich der kleine Pfad noch ein Stückchen weiter, über einen Hügel, und verschwand dann nach unten.
Da schoss der Fluss entlang. Sein Herz schlug. Einmal muss es aufhören. Den Sinn erhält der erste Schlag davon, das ein letzter kommen wird.
Edgar trat auf den Buckel, den das Land aufwarf. Einige Schritte unter ihm rauschte das Wasser wild, wie jung, spielend, neckend, bald schäumend um Felsen und Brocken, schnaubte an den Rand seines Bettes.
Edgar trat die Schritte hinab und stand am Rand des schäumenden Gewässers. Die feinen, dunklen Herrenschuhe waren von einigen Sandkörnern hell getupft. Schmal ging Edgar in die Hocke und seine Hand hing in das Wasser, das eiskalt seine Haut zu einer dünnen Membran werden ließ. Trotzdem war er wie starr, die Hand im Kalten, den Blick auf das Weißwasser gerichtet, in dem schäumende Pferde davonstoben, nur um Platz für die nächsten, wilden Scharen zu machen.
Nur die kleine Bucht, an der Edgar stand, war ruhig, lud ein in den Fluss zu steigen.
In alten Zeiten hatten die Menschen sich davon erzählt, dass die Flüsse reinigen, dass ihr Wasser sanft davon trägt, was Unheil und Krankheit, was drohender Tod gewesen sein mag. Und Heilung nur dann erreicht ist, wenn das fortgespült, was von abgeschütteltem Siechtum übrig blieb. Die weißen Frauen und die Scharlatane, die Schröpfer und Pillendreher, die Doktoren der feinen Gesellschaft und die sich kümmernden Mönche, alle waren sie immer an diese Stelle am Fluss gekommen. Dem Wasser wurden Eiter und Verbände, Auswurf und geschröpftes Blut, Fäkalien und Schienen überlassen.
Fortgespült um dem Vergessen zu überantworten, was so viel Leid brachte.
Mit ruhiger Bestimmtheit entledigte sich Edgar seiner Kleidung; sorgfältig legte sie auf einen großen Quader in die Sonne. Dann stieg er ohne Erbarmen in das eisige, rauschende Wasser.
Die Kälte ließ ihn aufheulen. Seine Hoden zogen sich zusammen, die Haut spannte sich wie dünnes Papier über seinen ganzen Laib – tausend kalte Eisen durchgetrieben -, das Wasser wie ein Kokon. Das Rauschen erfasste ihn und er trieb hinab, entging knapp einem Felsen, ging kurz unter. Der Fluss rauschte gleichgültig. Edgar schnellte aus dem Wasser, das Haar hing ihm ins Gesicht, japsend spukte er Wasser, johlte etwas, ein Wort, einen Schrei, einen Jubel – und wurde von schäumenden Wasser erfasst wie ein Blatt im Sturm.
Nach einer großen Biegung, erschienen die hohen Spitze der Berge hinter den Bäumen. Die weißen Pferde und Fratzen aus Gischt verging in sanftes Strudeln; hell, in klarem Blau nahm sich der Fluss sein Bett. Mit entschiedener Kraft trieb er den Körper, den er umschloss, hinab; bis auf den Grund sah Edgar. Seine Füße im eiskalten Blau konnten den Grund berühren, streckte er sich. Im Vorbeigleiten berührte er einen runden Stein, der kurz und träge ein wenig unter Wasser rollte und wieder zum liegen kam.
Edgar hatte den wilden Lauf überstanden. Die Kälte trat zurück. Der Fluss trug ihn, schnell, aber gleichmäßig; vorbei an den letzten Häusern, dem Wald entgegen, der an den grünen Rändern des Flusses begann. Die Wipfel rauschten sanft und einige Blätter fielen in das durchsichtige Wasser.
Edgar machte einige Schwimmzüge und und brachte sich in die Mitte des Flusses, drehte sich vertrauensvoll auf seinen Rücken. Den Blick nach oben, trieb er dahin. Ein Vogel durchkreuzte den blauen Himmel, in Richtung eines Wolkenbergs. Edgars schlanke Gestalt war jede Anspannung genommen. Sein Geschlecht, seine Beine, seine Armee, glitten immer wieder sichtbar zur Wasseroberfläche, hielten sich natürlich im Gleichgewicht. Sein Blick war klar und ruhig.
Der Fluss nahm eine weitere Biegung und wurde tief und ruhig, von dunklem Grün. Und ohne ein Geräusch, ohne, dass es einen Moment des besonderen Ereignis gegeben hätte, verschwand Edgars Körper im Wasser, nach unten, zuerst blasser werdend, dann ganz und gar fort, so dass nur das träge Grün blieb.
Am Ufer hatte ein Alter Baum sein Haupt müde geneigt und einige Äste ragten ins Wasser, in ewiger, nie ausführbarer Vorwärtsbewegung gefangen. Die Wurzeln des Baumes entstiegen der Erde und krallten sich an einen Felsen, der trotzig seine alte, bemooste Haut aus dem Fluss aufhob.
Edgars Hände griffen aus dem dunklen Grün an den Fels. Zwei körperlos Arme. Krallend hielt er sich fest und zog seinen nackten Körper hinauf. Haut auf Stein, das Moos war weich.
Dann saß er dort. Die Sonne fiel durch das Blätterdach. Auf seiner Haut perlte das kalte Wasser. Er öffnet den Mund. Alle Worte waren ihm entwichen, alle Geschichte. Kein Mythos, kein Überzeugung.
Vögel stiegen auf – vielleicht erzählten sie sich vom Tag an dem Edgar die Idee der Geschichte, von Linie und Bau verlor:
Es saß ein nasser Mensch auf einem Stein und trank die Wärme der letzten Herbstsonne.
Edgar Stein wurde zwei Tage nachdem er auf dem Stein gesessen hatte von einer Polizeistreife in seinem Atelier aufgesucht. Frau und Sohn hatten sich Sorgen gemacht, er hatte Termine verpasst, war nicht erreichbar gewesen und auch in seinem Sportclub nicht aufgetaucht.
Die Polizei konnte aber nichts weiter feststellen, meldete aber, dass Edgar Stein nicht verschwunden sei. Aber auf gewisse Weise irrte man sich.
Lilia fand ihren Mann nicht wieder. Edgar wusste alles, kannte sie, aber er konnte nichts mehr von dem aufrechterhalten, was er einmal gewesen war. Etwas schien an ihm zu fehlen; er verstand seine eigene Firma nicht mehr, das Band zwischen den Meilensteinen, die er geschaffen hatte, die Verbindungen zu Menschen, die er nie gesehen hatte, die aber Teil des Stein Imperiums waren, all die Verflechtungen und die fundamentalen Erzählungen, die einmal aus ihm gekommen waren – verschwunden als würde man nach Tropfen aus einem Fluss im weiten Ozean suchen.
„Stein&Stein“ begann zu zerbrechen. Eine Notiz im Wirtschaftsteil.
Als Edgar Stein vor der Öffentlichkeit in die Einsamkeit und schließlich in den verwirrten Selbstmord floh, reihte sich diese Nachricht ein. Zuerst waren auch dies nur Randnotizen. Kurze Meldungen.
Als ein Attentat in der Hauptstadt nicht durchgeführt wurde, weil der junge Mann die Geschichten seiner Anführer vergessen hatte und damit auch den Sinn seiner Aufgabe, die sich in selbst gebauten Sprengsätzen um seinen Leib manifestiert hatten, begann die globale Gemeinschaft ihre Aufmerksamkeit auf das seltsame Verschwinden der Geschichten zu lenken.
Das Erschrecken kam, als Menschen mit Macht, in wichtigen Positionen, religiöse Führer, Konzernleiter, die in der Öffentlichkeit standen, Politiker und Kriegsherren den Sinn ihrer Geschichten verloren und die Zügel losließen.
Die Fälle häuften sich. Das Vergessen wurde immer größer.
Flugzeuge stürzten vom Himmel, Fabriken verwaisten, Züge standen still, das Internet wuchs nicht weiter, Menschen konnten nicht mehr mit mehr Menschen interagieren, als sie sich Gesichter merken konnten.
Unsere Fähigkeit, die uns überleben machte und uns die Geschichte erfinden ließ, wir seien die Krönung der Schöpfung – sie verschwand. Und die Erkenntnis, dass wir keine Krone sind, sondern verwoben, keine Herrscher, sondern Teil dieser Welt, dieser Tiere, dieser kosmologischen Momente, die sich genau zu uns hin entwickelt hatten um sich dann weiter zu entwickeln, diese Erkenntnis trat nie ein.
Wir hielten weiterhin unsere gesprochene Krone fest. Sprachen weiterhin als Herrscher und Bändiger, Bezwinger und Privilegierte.
Vom Ende der Welt wurde gesprochen und geschrieben. Von dem Untergang der Welt. Das Chaos wurde immer größer. Religionen versuchten die Ereignisse in ihre Erzählung zu integrieren, Halt, Trost oder den gerechten Zorn zu spenden; Wissenschaftler suchten fieberhaft nach Erklärung und Heilung, nach einem Modell des Verstehens. Die Politiker entwickelten Strategien, jene die gewählt werden sollten, erzählten ihre Geschichte, was sie tun würden um die verängstigten Menschen hinter sich zu vereinen, während versprengte Randgruppen ihre Stunde gekommen sahen und die verwirrten und alleingelassenen hinter sich sammelten.
Und dann verstummten auch diese Geschichten, die sich wegen der Ereignisse gebildet hatten.
Die großen Gemeinschaften zerbrachen. Die großen Unternehmungen verstummten. Langsam kam alles zum erliegen.
In dem Moment, da wir gezeugt werden, da Samen und Ei sich vereinen, beginnen wir. Ein Prozess. Ein Anfang eines Wunders aus exakten Gegebenheiten – das einem Ende entgegen sehen muss um diesen Anfang zu wagen. Ein erster Herzschlag meint, dass es einen letzten gibt.
Der Fluss entspringt und vergeht vergeht im Ozean. Und Edgar und dieser erste Moment, war vergessen im Meer der Ereignisse.
Der Fluss spült um den Felsen, der sein Haupt aus dem grünen Tiefen hebt.
An diesem Felsen trafen sich früher die Menschen um dem Fluss die Asche derjenigen zu übergeben, die in das Reich der Toten fuhren; eine Verbindung zwischen den Welt. Der Stein als Zeichen der Stelle, an der das fließende Gewässer den Übergang zu einer anderen Welt darstellt. Menschen kamen hier zusammen, um sich gemeinsam zu verabschieden, zu Trauern; Riten verbanden sie, selbst wenn sie sich nicht kannten, die Gemeinschaft wuchs und die Bedeutung wurde von Mund zu Ohr weiter und weiter gegeben.
Bis der Mythos dieser Gemeinschaft verschwand. Eine große, globale Geschichte, die wir uns immer wieder erzählten und die nun verblasst.
Es ruft ein Vogel im Wind. Der Fluss ergießt sich ins Meer und das Wasser vereint sich um aufzusteigen, zu jenen Wolken, die dem fliegenden Freund ein weißer Berg sein mögen. Wer mag sich schon erinnern?
Die Welt wird bleiben. Nur wir überqueren den Fluss. Und dann ist es ein Fels und ein Fluss, auch immer noch. Es wird nur eine weiße Seite bleiben.
Wer untergeht, der hinterlässt die Welt.


Erzähler: Felix Benjamin
Lilia/Stimme: Anja Gmeinwieser
Edgar: Chris Bellaj
Vater: Arthur Roscher

Musik:
Kai Engel
Jared C. Balogh
Daniel Birch