Fabian Lenthe: Langeweile

Da ich nun schon seit sechzehn Stunden im Bett lag und außer, dass ich das Radio an und wieder aus, sowie lauter und leiser gestellt, nichts getan hatte, bis auf mir zwischenzeitlich ein großes Stück Salami abzuschneiden, auf dem ich gelangweilt herumkaute, beschloss ich den Rest des Tages ebenfalls nichts zu tun. Wenn ich es geschafft hätte im Schlaf zu sterben, wäre daran nichts verwerfliches gewesen.
Im Gegenteil, man hätte mir das Stück Salami aus dem Rachen entfernt und mich wie jeden anderen leblosen Gegenstand aus der Wohnung getragen. Vermutlich hätten die Angestellten der Möbelspedition bei Kaffee und Zigarette genervt auf die Uhr gesehen, weil sich der Fahrer des städtischen Bestattungsunternehmens ausgerechnet an diesem Tag für einen Umweg entschied. Dann wäre alles ganz schnell gegangen.

Sobald sich der Reißverschluss des Leichensackes über meinem Gesicht zugezogen hätte, wären die kläglichen Überreste meiner Existenz in einem großen, leeren LKW verschwunden, in dem noch mindestens zehn ähnliche Leben Platz gefunden hätten. Doch dann klingelte es an der Tür. Ich stand nicht sofort auf, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich zuhause sei, sondern setzte ein Fuß nach dem anderen auf den Boden, schlich mich zur Tür, und spähte durch den Türspion. Zu meiner Erleichterung war niemand zu sehen. Etwas Wichtiges konnte es ohnehin nicht gewesen sein. Für wichtige Dinge sind andere Leute zuständig. Leute, denen es nichts ausmacht sich mit wichtigen Dingen zu beschäftigen. Auf dem Weg zurück ins Bett schnitt ich mir noch ein extra großes Stück Salami ab, damit ich bis zum nächsten Morgen keinen Grund mehr hatte, um aufzustehen. Dann schlief ich ein.

Şafak Sarıçiçek: kabum ! dank den verseuchten fledertieren

meiner stadt bist du ach so fern
tentakelfinger deiner krakensonne

zerschuppend sterben pangoline dort schaufeln wege neue wochen
vögel pfeifen den morgen auf meine keloidnarbe
endlose würfel aus altaigesang und keiner weiß wohin o! affenmonat
grinsender jurtengott zwei kinder zürnen deiner gunst
nicht codes schlürfen aber bots transzendieren.

mensch, stacheln der lüfte, bleibt aus
es grüßt ein spaziergang herrenlose hünde.
diese hasen schlagen haken nicht
der mond schlägt nun haken für sie
aber milch leuchtet auf zum roten stern

alle brocken pulverisiert, ein weites vergeben
und ein geisterbaum schraubt lunten aus licht
alte meister behängt mit satin neu, o quantenflirren !
ich bau haus um haus aus meiner ahnensprache.

eine mulde gibt es wo wir liegen können nackt wie sand
dein aug und mein aug ein steter überfall bis schmelze die farben
nähen eine taiga aus parabeln, streamen all unsre folgen mit einem nicken
gebet ewiger stromzufuhr, werden eingehen in suppen aus kristall
ruf permanente revolte! alle himmelskörper infiltrieren den feind
die nacht trinkt pyromanisch und der morgen ist ein mutiger kossak
orte wirds geben, wo affen und tiger ringen
es wird orte geben ja es wird