Luca Rihm: Die große starke Erde

Sanfter Frühlingswind
Streichelt meine Haut
Ich bin so tief versunken
Gefühle werden laut

Die Sonne deckt mich zu
Hält meinen Körper warm
Die große starke Erde
Nimmt mich in ihren Arm

Geheimnisse des Lebens
wohnen in den Bäumen
Ich spüre, ich lausche, ich bin
Und brauche nicht zu träumen

Das Wasser trägt den Himmel
Er erwacht im Wellenspiel
Alles ist verbunden, alles ist eins
Und doch unfassbar viel

Jutta v. Ochsenstein: Rückkehr

Auf gewohnter Straße färben Bäume, Licht und Plakate das Gedächtnis. Hauseingänge riechen nur hier so. Mein Gang wird schneller, die Schatten dunkler. Ich höre die Fragen ihrer Gesichter. 

Auf dem Stadtplan verirre ich mich zwischen Straßennamen, taste die Stadtmauer entlang durch den grauen Graben hinauf zur Burg. Falken stechen in den glühenden Untergang der Sonne. Ich verharre vor dem Drehkreuz, versinke in die Weite des Tals bis zur Bergkette. Ich bin da.

Jutta v. Ochsenstein: und wenn sie nicht gestorben sind

wir trinken von deinem Wasser
Fisch, dich nährt das Licht
dein stilles Singen fordert zum Tanz
vielleicht ist noch Zeit

wir trinken von deinem Feuer
Vulkan, dich nährt der Stein
dein brennendes Sterben mahnt uns zur Feier
vielleicht ist noch Zeit

wir trinken von deiner Erde
Baum, dich nährt der Wind
dein schwankender Stand weckt uns
vielleicht ist noch Zeit

wir trinken von deiner Luft
Vogel, dich nährt die Weite
deine verlässliche Rückkehr löst unsere Trauer
vielleicht ist noch Zeit