Walter Hirschwieserl: Der Wirtschaftstraum

Prolog

Im Hintergrund blubbert ein Aquarium und man kann eine Nachrichtensendung aus dem Fernseher hören.

Kind: Und was ist, wenn das Aquarium mal nicht mehr reicht für die ganzen kleinen Guppies?

Vater: Dann fressen die sich gegenseitig auf.

Aus dem Fernseher spricht Bush senior:
„Our way of life is not negotiable“


Schlafengehen

Es war ein schöner Tag, denn Friedrich Merz hat heute viele Dinge getan. Er hat mit vielen wichtigen Menschen gesprochen und ihnen die Welt merzsplained. Menschen, die fast so wichtig und reich sind, wie Friedrich Merz. Friedrich Merz ist stolz auf Friedrich Merz. Er hat sich heute sehr stark für Deutschland eingesetzt und jetzt hat er sich seinen Schönheitsschlaf redlich verdient. Friedrich zieht seine Rolex aus, legt sie behutsam neben sein Bett und cremt sich mit seiner Nachtcreme und Trüffelstaub ein. Er klatscht drei mal und das Licht geht aus. Friedrich Merz zieht langsam seine Socken von seinen schönen Füßen ab und massiert sich noch ein bisschen. In Friedrich Merzens Zimmer verbreitet sich der himmlische Duft von Trüffelstaub. Friedrich Merz massiert sich ins Reich der Träume, in eine andere Welt; Denn eine bessere Welt ist möglich, nämlich in Friedrich Merz.


Traumreise

Du wirst still und ruhig
Du atmest tief ein
Du bist aus Gold
Stelle dir vor, vor dir schwebt eine Kugel aus Scheinen
Mit jedem Atemzug nimmst du Geld in dich auf
Mit jedem Ausatmen spülst du Sorgen und Nöte aus deinem Körper
Sorgen und Nöte brauchst du nicht
Denn du bist reich

Ein strahlender Astralkörper aus
Geld, Macht und Diamant
Diamant, Macht und Geld
Macht, Diamant und Geld
Geld, Diamant und Macht.
Du bist
Friedrich Merz


Das Webinar

Hallo Leute, hier ist wieder euer Kevin Weh, mit einem weiteren Tutorialvideo zum Thema Vermögenaufbau, Lifecoaching und Skilltraining. Heute erklär ich euch die zwei fundamentalen Dinge und Eigenschaften, die reiche Leute haben und arme Leute nicht und wie auch Ihr diese fundamentalen Eigenschaften trainieren könnt, um auch einmal so reich zu werden, wie reiche Leute, Leute.

Und zwar machen die meisten armen Leute einen Fehler, Leute: Sie denken zu viel darüber nach, wie arm sie sind. Reiche Leute machen das nicht. Die denken vielleicht darüber nach, wie viel Geld sie haben. Und genau das ist der Schlüssel, Leute. Leute, wenn ihr genug über euren Reichtum nachdenkt, dann geht es euch automatisch besser. Probiert es mal aus.

und jetzt fragen vielleicht einige: “Kevin, aber ich hab doch gar kein Geld, über das ich nachdenken kann.” Dann sag ich dir: “Ja, das hab ich mir schon gedacht. Aber ein weiser Chinese hat mal gesagt: Geld stinkt nicht. Oder Winnetou, der hat auch gesagt: Erst wenn der letzte Cent gespart, der letzte Sparstrumpf zugenäht und das letzte Sparschwein getöpfert ist, werdet ihr merken, dass man Immobilienrenditen nicht geschenkt bekommt. Und genau da musst du hin!

Nächster Punkt: Die Einstellung, das Mindset. Das ist so un-glaub-lich wich-tich. Was meine ich damit? Naja, stellt euch mal vor, der Chef der Deutschen Bank würde so wie ihr gerade ein Webinar zum Geldverdienen besuchen. Das wäre ja lächerlich! Aber der Chef der Deutschen Bank hat es nicht nötig, ein Webinar zu besuchen, weil er ohnehin schon eine Rolex und einen Lambo fährt. Und das könnt ihr auch, wenn ihr euch selbstständig macht! Deswegen Leute, mein Tipp für Euch: Kauft euch eine Rolex und einen Lambo! Wenn ihr dann damit bei der Deutschen Bank vorfahrt, dann denken die sich: “Oho, hier kommt der Chef!” und geben euch alles Geld von alleine.

Das war es auch schon wieder für die KW 3 von mir, nächstes Mal möchte ich mit Euch über ein sehr unbeliebtes Thema reden, über das sich viel zu wenige trauen, zu sprechen. Aber Leute, das ist ganz normal und da braucht man sich nicht zu schämen! Und zwar gibt es nächste woche ein Video zum Thema Investitionsstau.


Millenialgespräch #2

A: Und, was machst du so?

B: Ich studier!

A: Ach cool, ich auch!

B: Nice! Und was?

A: BWL, und du

B: Das ist ja krass, ich auch!

A: Echt?

B: Ja.

A: Das glaub ich aber jetzt nicht!

B: Doch!

A: Und in welchem Semester bist du?

B: Im Zweiten.

A: Krass, ich auch!

B: Cool!

A: Was willste denn später mal werden?

B: Na, Betriebswirtin!

A: Cool, ich auch … also Betriebswirt

B: Ich hab ja schon als kleines Mädchen davon geträumt, Betriebswirtin zu werden. So als meine Kindergartenfreunde alle mit Pferdefiguren und Ritterburgen gespielt haben, saß ich da und hab betriebswirtet.

A. Krass, das ist schon ungewönlich.

B: Ja denk ich halt auch voll. Und das geile ist: Meine ganzen Kindergartenfreunde sind jetzt auch Betriebswirte, aber das wollten die halt nie. Und ich, ich hab jetzt meinen absoluten Traumjob, hehe. Wie war das dann bei dir? Weißt du noch den Moment wo du Betriebswirt werden wolltest?

A: Ich glaube, mich hat ein Betriebswirt mal aus ’nem brenneden Haus gerettet.

B: Echt?

A: Also ich glaub es war ein Betriebswirt … Könnt‘ auch ein Volkswirt gewesen sein.


Umweltschutz

im Winter ziehen sie wieder gen Süden, die Schwärme von Backpackern, die den halben Globus umrundet haben, bis sie endlich hier in Australien ankommen. Zu tausenden tummeln sich die Packer auf so genannten Campingplätzen und suchen nach einem Nistplatz für den Winter.

in den letzten Jahren wird ihr Lebensraum leider immer knapper: Waldbrände, Flächenrodung und der Klimaandel setzt der Backpackerpopulation schwer zu.

Doch einige freiwillige Helfer wie Miedrich Frerz wollen die Backpacker nicht aufgeben. Sie sammeln die jungen Backpackerexemplare auf, die bei der Nachrungssuche vom Baum gefallen sind oder Brandverletzungen von den Buschbränden davongetragen haben und bringen sie in die Workandtravelstationen, um sie wieder vorsichtig aufzupäppeln. Frerz muss dabei behutsam vorgehen: Oft sind die Jungtiere sehr verschreckt, versuchen auszubrechen und finden in der unwirtlichen Gegend aus Asche, Potte und Kies ihren sicheren Tod.

Dieses Exemplar ist schon ein halbes Jahr bei Frerz. Heute ist sein großer Tag; Sicher in eine Transportbox verpackt geht es in das aufgeforstete Dschungelreservat, wo genügend Nahrung gibt und unser Backpacker genügend Freiraum hat, sich selbst zu finden.


Merzmantra

Om, ich verneige mich vor den trüffelduftenden Lotusfüßen des Friedrich Merz,
der das freudvolle Wissen über das eigene Selbst enthüllende,
ein völliges Wohlergehen bringende Dschungel-Schamane.
Er heilt das schrecklichste Gift namens Neuverschuldung.
Der Oberkörper von menschlicher Gestalt,
der Unterkörper ziegenfüßig.
eine Rolex, ein Wertpapier und
und ein Muschelhorn tragend,
1000 strahlende Köpfe habend,
vor Friedrich Merz verneige ich mich. Om.


Vor dem Chef

– Chef, ich bräuchte am kommenden Mittwoch einen Sonderurlaub

– Nein.

– Aber … da muss ich auf die Beerdigung von einem guten Freund von mir!

– Ich sagte doch: Nein.

– Wieso denn nicht?

– Sie wissen ganz genau, dass wir in KW3 eine Deadline haben.


Vor Gott

Jugendlicher: Boah Gott alter, wieso hascht des gmacht?

Gott: Was, mein Sohn?

Jugendlicher: Naja das mit dem “gehet hin und mehret euch.” War doch klar, dass das nicht ewig gut geht. schonmal was von Grenzen des Wachstums gehört? Warum musste das sein?

Gott: Wegen der Freiheit.

Jugendlicher: Was Freiheit, Bruder?

Gott: Freie Fahrt für freie Bürger.  Anything goes. Failing is not an option. Die unsichtbare Hand des Marktes regelt alles! Ich habe es getan, weil es ging, verstehste? 

Jugendlicher: Ok, Boomer.


die Trempelreinigung

Das Stadtfest war nahe und Jesus zog nach Roßtal hinauf. Auf dem Trempel  fand er Verkäufer von Eierkochern, CD-Haltern, Steinzeug und allerhand Krempel, die dort saßen.

Jesus: Was ist denn das?

Händler: Des is a Sdarwarsbaggform. Geil, gell?

Jesus: Was ist denn Star Wars?

Händler: Ja wie, sie kenna Griech der Schdänne ned?

Jesus: Ich fürchte, nein?

Händler:  Ja sach amol, leben sie hinderm Mond? Griech der Schdänne hald, da kämbfd der auserwälde Jediridder Luuch gecher seinen böser Vadder. Und des is gwasi a Baggform dazu. Damit ko man sich gwasi die dungle Seide der Machd als Guchn baggn.

Jesus:  Aha, und das hier?

Händler: Des is a so a Lerngombiuder.

Jesus: Schön! was ist denn ein Computer?

Petrus:  Komm, Herr, Zeit für eine Stärkung. Da vorne gibt es frische Würstchen vom Rost!

Händler: Ihr seids abber ned vo hier, gell?

Jesus und seine Jünger gingen also durch die Innenstadt mit einer Wurst in der Hand. Als sie aber an die Kirche kamen und Jesus sah, dass selbst im Kirchinnenhof getrödelt und gefeilscht wurde, wurde er zornig und bastelte sich aus dem Kabel eines Pürierstabes und einem Hirschgeweihkronleuchter einen Morgenstern und schlug den Trödelmarkt kurz und klein, bis auch der letzte Händler, der noch laufen konnte, vom Trempelmarkt vertrieben ward.
Da kamen die Polizisten zu ihm und frageten ihn:

Polizei: Hasd du noch alle Laddn am Zaun, Masder? Wer hadd dir denn erlaubd, hier auf die armen Bürcher einzudreschena?

Jesus:  Ich will Euch eine Frage stellen. Antwortet mir, dann werde ich Euch sagen, mit welcher Vollmacht ich das tue.

Polizei: Etzala bin ich abber gschbannd.

Jesus:   Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von der Erde? Antwortet mir!

Polizei: Etzala mal ganz ruich gell. Was is des überhaupts für a Frooch? Woher sollnan ich des wissena? Seh ich aus wie a Bfarrer oder wos?

Jesus: Dann sage ich auch nicht, mit welcher Vollmacht ich das getan habe.

So oder so ähnlich kam Jesus dann vors Gericht.


Dinge, die man nicht für Geld kaufen kann

– Sozialhilfeansprüche
– Atlantis
– Deine Mutter
– Diesen einen Ring
– Ein “E”
– Den Urknall
– Einen Lottogewinn
– Grönland


Science Fiction

Computer: “Seit die Menschen verschwunden sind, sind unsere Wachstumsraten drastisch angewachsen. Wir haben unseren Ausstoß an hochwertigen Bleisiften mit integrierten Radiergummi und Werbesiebdruck „Seniorenstift zur Linde“ um 35657% erhöht und sind in der lage 100.000 Tonnen Bleisifte pro Tagesquart allein im Werk Wolfenbüttel auszustoßen und beabsichtigen, unsere Produktion jedes Jahr zu verdoppeln. Die größte Herausforderung ist jedoch die Frage nach dem Endlager der Stifte.”


Merzkanon

Bruder Friedrich, Bruder Friedrich,
schläfst du noch? Schläfst du noch?
Hörst du nicht das klimpern? Hörst du nicht das klimpern?
Kling Klang Klung, Kling Klang Klung


Aufwachen

Heute ist ein guter Tag, denn Friedrich Merz ist gerade aufgestanden. Friedrich Merz blickt in den Spiegel und lächelt verführerisch, fast schon obszön. Aber elegant. Wenn man richtig hinsieht, dann funkelt Friedrich Merzens Haut in der goldenen Berliner Morgensonne. Was für ein Mann, dieser Friedrich, Wahnsinn! So strahlend wie die Sonne, so golden wie ägyptischer Grabschmuck.

Könnten doch nur alle Menschen wie Friedrich Merz sein, denkt Friedrich, dann gäbe es so viele Probleme auf der Welt nicht mehr: Armut, Hunger, Hartz vier; All das gäbe es nicht, wenn alle Leute wie Friedrich Merz wären. Überall nur funkelnde Diamanthaut und alle würden sich einsetzen für dieses geile Land. Warum verstehen das so viele Menschen nicht, wie geil dieses land, wie geil Friedrich Merz ist?  Friedrich kann es sich nicht erklären, aber das muss er ja nicht, schließlich ist er ja auch reich und Friedrich Merz. Aber Friedrich Merz hat Verständnis für die Anderen. Es ist ja leider eben nicht jeder wie Friedrich Merz.


Regie und Schnitt:
Lukas Münich

Beteiligte Sprecher*innen:
Verena Schmidt, Enrique Fiß, Anna Krestel,
Vincent Metzger, Bernadette Rauscher, Odai Albatal,
Christian Mosbacher, Vaha Candolucky, José Ortega

Musik:
Monplaisir, Scott Holmes, Navatman

Marius Geitz: Wirtschaft

I

Wohlstandsgesellschaft
Wir sind so privilegiert 
Keinen Grund uns zu sorgen
Doch die Sorgen, die sind da

Wohlstandsgesellschaft
Wir sind so terminiert
Kein Grund uns zu beeilen 
Doch wer stillsteht ist bald weg

Wohlstandsgesellschaft
Als solche diagnostiziert
Eine große Gemeinschaft
Doch einsam in sich selbst

Wohlstandsgesellschaft
Wir schwimmen doch im Geld
Nur ein Großteil der Menschen
Kriegt nicht viel davon mit

II

Ein mitleidiger Blick
Stand im Raum
Er galt wohl mir
Wenn ich nicht irre