Andreas Vincent Weber: Kuhsee, 140x190cm, 1989

Plätscher, Plätscher, Dümpel dümpel, zisch.
Tschirp schirp.
“mama ich will ein eis”
tröpfeltröpfel. Dümpel dümpel. Surrrrrrr.
Tschirptschirptschirptschirptschirp.
Rauschhhhhhhhhhhhhh
”Ach schätzchen wir haben noch eis in der gefriertruhe. warte, bis wir zuhause sind dann kriegst du schönes Marzipaneis von weihnachten noch”
Hühüüühühühü tröpfeltröpfel dümpelzischhhh.
Surrr. Dümpel dümpel. Rausch.
Brummm Tschirp. Huhuhuhuhu. klatsch.
Dümpel plätscher
“ach menno. flennflenn dümpelzisch. brumm huhu tschirp dümpelklatsch.

Andreas Vincent Weber: Motten

Es fing alles mit den Motten an. Er brachte es einfach nicht übers Herz, die eine kleine Motte zu erschlagen, die da so nebenbei in seine Wohnung geflattert kam. Er blinzelte ihr sogar noch zu und nannte sie liebevoll Fred. Tatsächlich kam Fred aber nicht alleine: Er hatte seine Verlobte im Schlepptau. Die Wohnung gefiel den beiden sehr und da sie ohnehin auf der Suche nach einer neuen Bleibe waren, blieben sie.
Das Mehl begann zu leben, der Reis begann zu leben, ja sogar die leeren Amazon™ – Kartons neben dem Stapel von Anzeigeblättern, die Er jeden Sonntag gewissenhaft aus seinem Briefkasten fischte, auch sie begannen zu leben. Und so lebte das ganze Zimmer.
Seiner Meinung nach war nun aber doch etwas viel Leben in der Bude; Er wollte seine geliebte Ruhe zurück. Dazu gab es einen simplen Plan in seinem Kopf – Er musste Dustin gewähren lassen. Dustin, das war sein Erzfeind. So sehr Er auch Tiere liebte, Spinnen hasste Er. Doch nun musste Er es zulassen, dass Dustin sich vermehrte. Und so ward es.
Aus dem weißen, klebrigen Haufen, die Dustin in der Wohnung hinterließ, wurde eine große Horde kleiner Dustins. Sie bevölkerten die Gratiszeitungen, die Amazon™ Kartons, den reis und, ja, sie bevölkerten auch das Mehl. Er ekelte sich vor den Dustins doch bald schon würde zumindest die Mottenplage vorüber sein. Er räumte einige Stappel des durchweichten Zeitungspapieres (Nanu, woher kommt denn das ganze Wasser her?) zur Seite und legte sich schlafen.
Die Kinder von Fred wollten sich verpuppen und kletterten dazu die Wände hoch. Sie nahmen die beigen Gardinen ein und schenkten ihnen ein lebendes Muster. Doch die Dustincrew war schon zur stelle und war auf Konsum aus. Die Schlacht hatte begonnen.
Es war ein Gemetzel.
Es war ein Gemetzel.
YAY!
Irgendwie war die Situation außer Kontrolle geraten. Die Motten waren weg. Dustin und seine Homies waren noch da.
Er wollte sich am Hinterkopf kratzen, aber er konnte nicht.
Alles klebte.

Daphne Elfenbein: Wind of Change

Lass dich verwandeln vom Wind der Zerstörung. Die Hoffnung ist ein Bullauge auf hoher See. Nur im Märchen bist du im Auge des Sturms. Kann sein, du kriegst nasse Füße. Ein paar Erwartungen blättern ab wie nasser Putz. Erkenntnisblitze schießen Löcher in die Fenster. Das Wasser steht dir bis zu den Hüften und du weißt: Hier ist nichts mehr zu retten.
Zwei Fischköpfe, abgeschnitten und weiß, ein arabischer Ast, ziemlich dünn, ein Gebirge, worin das Wasser aufwärts fließt. Alles ist möglich, wo Blinde die Blinden führen, und du vertraust, dass sie den Weg schon wüssten.
Wenn dir also die Ohren schmerzen vom Pfeifen des eisigen Windes, sorge dich nicht. Wenn deine Knochen sich biegen wie Stämme im Sturm, sorge dich nicht. Wenn die Sturmbö dich auseinanderreißt, sorge dich nicht. Sieh zu, dass du dich neu zusammensetzt. Vertrau niemand, schon gar nicht denen, die immer Antworten haben. Dass dein Körper Grenzen hat, erkennst du an deiner Haut. Deine Nerven machen die Musik dazu. Besser, du hörst hin. Denn in deinen Ohren wurzelt die Hoffnung. Sonst hätte man sie nämlich bei deiner Geburt mit Deckeln verschlossen.
Das hast du lange genug getan: Männchen machen, Pirouetten drehen, die Goldkrone aufsetzen. Für wen? Märchenhaft schön bist du im Spiegel der Schöpfung und nirgendwo sonst. Schau hin! Du siehst es mit geschlossenen Augen. Und grade dann. Nicht der Schmerz ist die Gabe, sondern die Demut, hindurch zu gehen, bis alle Masken gefallen sind. Sie haben ihren Tanz zu Ende getanzt mit dir am Wickel. Mach einen Fundusverkauf. Gibt immer Leute, die sie noch brauchen.
Liebe und Licht im Supermarkt der Träume, worin wir shoppen und taub sind. Nichts bringt uns mehr in die Realität als nasse Füße. Ja, die Mülleimer rauchten, als die Sonne sank, vom Feuer der Gier und du bist der erste Mensch auf diesem Planeten, der dich mit Todeskälte umfängt. Ist es Atem oder Eis, das zuerst in deine Lunge dringt? Oft war es ein Segen, gefühllos zu sein. Doch jetzt ist genug und du verlässt das Netz der Träume mit seinen bunten Bildchen von Liebe und Licht.

Tobias Hacker: Nassmüll

Feuchtes Laub der letzten Jahre
Abflussdreck mit Kringelhaaren
Roter Wein und grünes Pril
Pferdeäpfel

Halb verwester Ziegenkäse
Abgelaufne Majonese
Aufgeplatzte Pfirsichdosen
Eingemachte Unterhosen

Du bist alles was ich will
Von dir bekomm ich nie zu viel
Du hast klasse du hast Stil
Endlich kenne ich mein Ziel

Nassmüll
Angebrochne Silberzwiebeln
Umgefallner Kübelkübel
Linsentopf mit Petersilie
Tote Eichhörnchenfamilie

Knackundbackteig ohne Dose
Alte Schweinebratensosse
Ein Mc Ripp schon durchgekaut
Und die alte Weiswursthaut

Du bist alles was ich will
Von dir bekomm ich nie zu viel
Du hast klasse du hast Stil
Endlich kenne ich mein Ziel

Nassmüll
Fruchtzwerge und Kindersäftchen
Durchgeweichtes Playboyheftchen
Watten , Ratten und OBs
Mullbinden aus Not OPs

Bikini aus Riminni
Ausgebrochnes Peddigri
Aufgetaute Hähnchenschenkel
Windeln von nem Pflegeenkel

Du nur gibst mir das Gefühl
Dass ich in dir schlafen will
Du hast soviel Sexapeal
Dich brauch ich zum Liebesspiel

Hackfleisch von 2004
Halb vom Schwein halb andres Tier
Grieben- oder Ohrenschmalz
Lebe hoch Gott erhalts.

Daphne Elfenbein: Wie ich am Brandenburger Tor die Liebe fand

Wer sich in diesen Tagen DNA-sequenzierter In-Vitro-Fertilisation noch nach Liebe sehnt, weil die Jagd nach Anerkennung und Selbstverwirklichung doch irgendwie müde macht, sollte nach Berlin zum Brandenburger Tor kommen. Denn dort steht Micky Maus, mit roten Hosen und schwarzem Frack, und breitet die Arme aus. Und das tut sie leutselig und ohne Unterschied, fast wie der liebe Gott höchst selbst. Und wer ihr dann noch zwei Euro in die behandschuhte Pfote drückt, der wird mal wieder so richtig umarmt und geknuddelt. Münze um Münze steckt das Disney Monster in den großen Hosensack. Ihr solltet unbedingt jemanden dabeihaben, der das Ganze filmt, sonst glaub es Euch keiner: „Es ist Liebe!“ könnt ihr dann unter das Facebook Video schreiben und ordentlich Likes kassieren…
Überhaupt ist das Brandenburger Tor ein Ort der Sympathie und der Völkerverständigung. Ein großer Braunbär auf zwei Beinen treibt dort sein friedliches Unwesen, US- und Sowjetflaggen werden geschwenkt. Ein paar französische Gebirgsjäger stehen herum in fescher Uniform und lassen auf trainierte Waden blicken. Der Belagerungszustand ist als Dauerzustand in die Geschichte eingegangen. Drum werden hier, am Brandenburger Tor, den ganzen Tag lang sehr erfolgreich Träume verkauft, schön bunt, zwischen Luftballons, Micky Maus und Sekt-Ausschank. 15 Euro zum Beispiel kostet es, wenn ein Reiseführer einer Menschentraube erklärt, dass sie jetzt grade das Brandenburger Tor sehen. Es sei bei einem größeren Scharmützel ramponiert worden, habe lange Zeit zwischen den Mauern gestanden und sei kürzlich schick renoviert worden. Eine Busladung Spanier im Freizeitdress, den Familienschmuck um den Hals und die Kamera im Anschlag, hört andächtig zu. Und? Bei all der historischen Dauerbelagerung aus Liebe…
Wem gehört jetzt das Brandenburger Tor? … Richtig!
Schließlich heißt Starbucks ja auch nicht Sterntaler.
Auch wenn du Tourismus mit Nachhaltigkeit pflegst, ist für dich gesorgt. Für 28 Cent darfst du eine Minute lang Elektroauto fahren. Gewissen beruhigt? Nein? Dann eben zwei Minuten. Dann sind wir bei 56 Cent. Billiger ist es dann schon, bei den Sterntalern pinkeln zu gehen, dafür legst du der Klofrau im Keller von Starbucks 50 Cent in die Porzellanschale. Oben stehen sie Schlange bis der Kaffee kalt wird. Die Klofrau trällert ein Liedchen und legt ein Plastikblümchen in die eben geleerte Porzellanschale… Nach Feierabend leistet auch sie sich noch eine Umarmung bei Micky Maus.
Wer aber ein wirklich gutes Werk tun will, der unterscheibe die Petition der Taubstummen und legt den armen Mädchen, die da scharenweise auf dem Pariser Platz die Touristen anhauen auch noch zwei Euro in die zarte Kinderhand. Ich hoffe, ihr habt eure Geldbörsen sicher hinter einem Reißverschluss verstaut!
Wem so viel Nächstenliebe dann doch zu kostspielig ist, der macht sich am besten schnell davon. Entweder in einer Alt-Berliner Pferdekutsche, auf einem Biermobil, einem Segway Wägelchen, oder einer Rikscha. Grade verlässt ein zweijähriges Kind, dessen Vater ein Reagenzglas ist, auf seinem Laufrad den Platz. Es trainiert schon fleißig für spätere Hamsterjahre. Ach, das Leben ist schön. Und auch ich gehe mir jetzt bei KaDeWe eine Micky-Maus-Uniform kaufen. Denn bei zwei Euro pro Umarmung und 100 Umarmungen pro Tag, …. was für ein Einkommen … und noch gemeinnützig dazu…
Ach die Liebe…
 

MartinSchulz: Bernie und Wilson fragen Dich

Hallo!
Wir sind Bernie-Dominique und Wilson
Wir sind eine Giraffe und ein Faultier.
Bernie kackt jeden Tag. Wilson nur einmal die Woche.
Böse Menschen sagen, wir sind unsichtbar. Dabei sind die nur blind
Wir verstehen so vieles nicht. Zum Beispiel:
Warum hat man eigentlich mit alten Bäumen mehr Mitleid als mit jungen Bäumen aber mit jungen Menschen, die gefällt werden, mehr Mitleid als mit alten?
Hm. Du, sag mal: sind Soldatinnen eigentlich die besseren Mörderinnen?
Hm.
Wir wissen die Antwort.
Aber ihr müsst selber draufkommen. Hey, du. Was hat Gott eigentlich vor der Erschaffung der Welt gemacht?
Wir wissen die Antwort.
Stimmt doch gar nicht.
Sag mal: weinen Fische eigentlich Luftblasen?
Ich weiß die Antwort. Aber ich sags nicht.
Ne, ihr müsst selber draufkommen.
Psch. Warum gibt’s so wenig Liebe auf der Welt?
Kchhh. Sag mal: warum fressen Tauben eigentlich keine Hunde?
Hm. Weißt dus?
Wir wissens. Aber wir sagen es nicht.
Du. Können Igel bei Eichhörnchen überwintern?
Wir wissen die Antwort. Aber wir sagens nicht.
Ihr müsst selber draufkommen! Ätsch!